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Leverkusen
Ein doppelter Ehrhardt am Dirigentenpult

Leverkusen: Ein doppelter Ehrhardt am Dirigentenpult
Ein Dirigent zum Publikum, einer zum Orchester... FOTO: UM
Leverkusen. Einmal den Taktstock schwingen - ein Kindheitswunsch von Bayer-Kultur-Chef Thomas Helfrich. Der jetzt Wirklichkeit wurde -für Helfrich und für 300 Kinder, die das herrliche Musikspektakel mitverfolgten. Von Monika Klein

Nanu, was ist denn mit Werner Ehrhardt passiert? Sah der Dirigent von l'arte del mondo am Sonntag bei der Aufführung von Mozarts "Entführung aus dem Serail" nicht etwas anders aus? Ein klein wenig nur, denn Thomas Helfrich, der gestern ans Pult schritt, um sich einen Jugendtraum zu erfüllen, hatte sich mit der Maske sehr viel Mühe gegeben. Über dem obligatorischen Frack trug er dieselbe Frisur mit sehr hoher Stirn, stellte sich als Chef des Erholungshauses vor und gestand, dem echten Dirigenten Schlafmittel in das Wasser gemischt zu haben, um ihn hier möglichst unerkannt und ungestört vertreten zu können.

Die Orchestermusiker, die unter dem gut geübten Beifall von rund 300 Schulkindern die Bühne betraten, schienen jedenfalls keinen Verdacht zu schöpfen und folgten willig den Bewegungen des Taktstocks. Aber vielleicht hätten sie ja auch ganz alleine die Ouvertüre der Mozartoper spielen können. Wozu braucht man überhaupt einen Dirigenten? Das war eine der Fragen, die später beantwortet wurden, als der echte Ehrhardt - noch etwas benommen - auf die Bühne kam und sich über die Anwesenheit eines Doppelgängers wunderte. Früher, als die Orchester noch kleiner waren, da ging's auch ohne, erklärte Ehrhardt. "Da war es, wie eine Band spielt, wenn einer one, two, three vorzählt." Schon als kleiner Junge hatte Thomas Helfrich den Wunsch, einmal ein Orchester zu dirigieren. Das hatte er irgendwann seinen Kollegen von Bayer Kultur erzählt, die gleich ein Geburtstagsgeschenk buchten: eine Dirigierstunde bei Werner Ehrhardt. Dabei hat der Leiter von Bayer Kultur nicht nur einiges gelernt, wie man gestern sehen konnte. Sondern Beide hatten auch noch so viel Spaß, dass sie im Sommer gemeinsam die Idee zu diesem Kinderkonzert entwickelten, bei dem die jungen Zuhörer gestern auch etwas über Instrumente und die Geschichte der Oper lernt.

Die Schüler der Klassen drei bis sechs waren außerordentlich ruhig. Fasziniert von der Geschichte der zwei Dirigenten lauschten sie der Musik aus Mozarts Oper, das Bühnenbild der vorherigen Aufführung noch im Hintergrund. Auch eine der Sängerinnen war noch nicht abgereist, Stephanie Elliott in der Partie der Konstanze, die Mozart seiner Geliebten zugeschrieben hatte.

Als die Sängerin "eine der schwersten Sopranarien" begann, mussten sich die jungen Zuhörer erst kichernd an den ungewohnten Gesang gewöhnen. Aber der Aufforderung, selber mitzudirigieren, kamen sie alle sofort und mit großer Begeisterung nach. Sie übten einen Vierertakt und einen Dreiertakt für den türkisch klingenden Janitscharenmarsch. Und stellvertretend durfte dann auch noch die kleine Lena das Orchester auf der Bühne dirigieren.

Gegen Ende des Dirigier-Konzerts befand Thomas Helfrich, man sollte doch immer zwei Dirigenten haben - einer dem Orchester und einer dem Publikum zugewandt. Das wurde natürlich auch sofort ausprobiert.

Quelle: RP
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