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Leverkusen
Ein Landschaftsgemälde für die Ohren

Leverkusen. Es wirbelte und wogte, plätscherte und schwappte beim Neujahrskonzert des Duos Garbo in Schloss Morsbroich - denn bei dem stand unter anderem die Nixe Undine im Mittelpunkt. Von Monika Klein

Fließend sind die Besucher des Neujahrskonzerts von KulturStadtLev in den ersten Tag von 2016 gekommen. Unter anderem, weil die "Undine-Sonate" op. 167 von Carl Reinecke auf dem Programm stand, das weniger auf die ganz bekannten Namen setzte. Die Nixe aus dem Reich der Halbgötter, heißt es, bekommt erst dann eine Seele, wenn sie sich mit einem Mann vermählt, dem untreuen Gatten aber bringt sie den Tod. Vielleicht mochte man auch eine Handlung aus dem engagierten Spiel des Duos Garbo heraushören.

Ganz sicher aber hatten die Hörer im vollbesetzten Spiegelsaal den Lebensraum der Undine vor Augen: Fließendes Gewässer, das über Steine und Felsen gluckst, sich anmutig durch die Landschaft schlängelt, vor einer Staustelle zur Ruhe kommt und in brausenden Stromschnellen herunterstürzt. Es wirbelte und wogte, plätscherte und schwappte förmlich in den Ohren, wenn Christiane Meininger auf der Querflöte der Bewegung des Wassers nachspürte.

Und ihr Partner Rainer Gepp am Klavier hatte keineswegs nur eine Begleitfunktion, sondern malte kräftig mit an dem romantischen Landschaftsgemälde, in dem sich ohne weiteres ein Wassergeist tummeln könnte. Mit diesem Stück leisteten die beiden Musiker ihren Beitrag zum aktuellen Spielzeitmotto von KulturStadtLev: "Lebens(t)räume", in diesem Fall waren eher die Räume gemeint.

Die Variante mit dem "t" in der Mitte gab es im zweiten Teil mit Variationen von Ludwig van Beethoven über die Volksweise "Schöne Minka", das wehmütige Abschiedslied eines Soldaten. Dieses wohl melancholischste Stück in einem vorwiegend quirligen und lebensbejahenden Programm endete aber nicht in pessimistischer Traurigkeit, sondern mit einem leisen humorvollen Akzent.

Mit der Sonate D-Dur op. 50 von Johann Nepomuk Hummel hatte das Duo Meininger/Gepp das Konzert gefällig und anmutig eröffnet. Von langem Atem getragene Flötenmelodik, die vom Klavier reich umspielt wird, und im Mittelteil ein ruhiger, verinnerlichter Dialog der Instrumente.

Ganz anders die Eröffnung des zweiten Teils mit der Sonate von Francis Poulenc, in der Christiane Meininger zunächst die schnellen Abwärtsläufe wie weiche Glissandi führte, um ihrer Flöte im Schlusssatz eine gewisse Schärfe zu entlocken. Nach viel ausdrucksvoller und emotional vorgetragener Musik endete das Duo mit einem eindrucksvollen Brillierstückchen, der Fantaisie pastorale hongroise op. 26 von Albert Franz Doppler, einem ausgezeichneten Flötisten des 19. Jahrhunderts, der seinem Instrument die virtuosesten Passagen in die Partitur geschrieben hat.

Also ein sowohl anmutiger wie mitreißender Jahresbeginn, der im ersten Teil leider durch Geräusche von Kindern im Publikum gestört wurde, so dass sich die Flötistin zwischen zwei Sätzen beschwerte, dass sie so nicht spielen könne. Nacheinander verließen die Verursacher den Saal.

Quelle: RP
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