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Postskriptum Diese Woche In Unserer Stadt
Ein Licht im Affentheater

Postskriptum Diese Woche In Unserer Stadt: Ein Licht im Affentheater
FOTO: Moll Jürgen
Leverkusen. Es ist nun genau 50 Jahre her, dass der britische Zoologe Desmond Morris mit seinem Buch "Der nackte Affe" nicht nur in der Fachwelt für Furore sorgte. Von Bernd Bussang

Darin beschreibt er die Entwicklungsgeschichte des Menschen, stellt ihn in eine Reihe mit anderen irdischen Primatenarten und kommt verkürzt formuliert, zu dem Ergebnis, dass sich der Mensch beim genauem Hinsehen in seinem Verhalten gar nicht so sehr von ihnen unterscheidet: Der Mensch ist also nicht die Krone der Schöpfung, sondern ein Instinktwesen geblieben.

Auch der Erfolg des Fußballspiels könnte so begründet werden. Elf Mann, ein Rudel - der Ball, die Jagdtrophäe. Jagdszenen im wörtlichen Sinne gab es offenbar am vergangenen Sonntag auch beim Heimspiel des türkischen Vereins Ditib Leverkusen gegen Solingen Wald 03 in der Kreisliga B zu sehen. Laut Polizeibericht sollen zwei Ditib-Spieler mit ihren Stollenschuhen auf einen am Boden liegenden Spieler aus Solingen getreten haben.

Und möglicherweise erstmals in der Leverkusener Kriminalgeschichte stellte die Polizei Fußballschuhe als Tatwaffe sicher. Ob die Ditib-Kicker das aus freiem Antrieb taten oder sich vielmehr nur die markigen Worte des Bayer-04-Jungprofis Julian Brandt vor dem Derby gegen den 1. FC Köln zu Herzen genommen haben, ist nicht überliefert. Brandt hatte vor dem Spiel gegen den Tabellenletzten der Bundesliga angekündigt, auf den bereits am Boden liegenden Gegner "drauftreten" zu wollen.

Fußball ist also Kampf, auf dem Rasen und in den Kurven. Und für manchen Spieler oder Fan ist er sogar Religion. Nicht von ungefähr bekreuzigen sich gottesfürchtige Spieler etwa aus Südamerika, wenn sie den Platz betreten. Fans küren Spieler zu "Fußballgöttern".

Da passt es doch, wenn sich Heiko Herrlich, amtierender Übungsleiter von Bayer 04, als tiefgläubiger Christ in einem Interview in unserer Zeitung dazu bekennt, in der Kabine auch mal den ein oder anderen Bibelspruch rauszuhauen. Dass das offenbar wirkt, zeigt der derzeitige Erfolg der Mannschaft. Weiter so!

Das positive Beispiel Heiko Herrlichs lässt uns hoffen, dass der Fußball irgendwie dann doch noch zu retten ist - trotz des ganzen Affentheaters.

Quelle: RP
 
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