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Leverkusen
Ein Protestcamp gegen den A1-Ausbau?

Leverkusen: Ein Protestcamp gegen den A1-Ausbau?
Dass die A1-Stahl-Rheinbrücke marode ist, kann die Autobahnbehörde beispielsweise in einer der Seilkammern (Foto) belegen. Jetzt wurde dort an einer Verankerung für ein Tragseil ein 40 Zentimeter Riss entdeckt. Zum Schweißen wird die Brücke zumindest ein Wochenende im August komplett gesperrt. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Die A1 führt mitten durch Leverkusen und soll ausgebaut werden. Eine Autobahnstelze wäre die günstigste Lösung, Bürger aber wollen einen Tunnel. Darüber gibt es Streit. Bei einem Erörterungstermin bei der Bezirksregierung hatten Leverkusener jüngst die Chance, Einwände gegen die Ausbaupläne zu äußern. Aber was hat der Termin gebracht?  Von Susanne Genath

Lautstark für seine Überzeugung einzutreten, praktiziert Klaus Wolf seit seiner Jugend. Und so kümmert es den Grünen-Politiker wenig, dass die fünftägige Erörterung zum Ausbau der Autobahn A1 bei der Kölner Bezirksregierung ihm zufolge keine greifbaren Ergebnisse gebracht hat. "Das habe ich nicht anders erwartet", sagt der ehemalige Leverkusener Bürgermeister und richtet den Blick nach vorn. Eine mögliche Demo auf der Autobahn, um eine Stelzenbrücke durch das Stadtgebiet zu verhindern, sei noch nicht vom Tisch. "Wir überlegen außerdem, auf dem Gelände ein Protestlager einzurichten." Das hänge von den weiteren Entwicklungen ab. "Eventuell gibt es ja noch Klagen gegen den ersten Bauabschnitt, die allerdings keine aufschiebende Wirkung haben."

Wird die Rheinbrücke zwölfspurig, geht es nur mit einer Riesenstelze

Der erste Abschnitt des A1-Ausbaus bezieht sich zwar nur auf die Strecke zwischen Köln-Niehl und dem Autobahnkreuz Leverkusen-West. Dennoch werden mit diesem Projekt die Weichen für den zweiten Bauabschnitt, das Teilstück durch Leverkusen, gestellt, sagt Wolf. "Wenn die Rheinbrücke, wie von Straßen.NRW geplant, tatsächlich zwölfspurig gebaut wird, kann es über dem Stadtgebiet nur mit einer großen Stelze weitergehen."

Damit dies nicht geschieht, setzt der Politiker auf den Bund - und weiter auf die Strategie, die die Grünen zusammen mit der CDU und Opladen plus eingeschlagen haben: "Wir werden alle Planungsvorhaben von Straßen.NRW blockieren und dem Landesbetrieb dadurch das Leben schwer machen. Wir hoffen, dass man sich dann in Berlin und Düsseldorf neu besinnt und eine andere Lösung wählt." Nämlich die Tunnelvariante durch das Stadtgebiet. Das gehe aber nur, wenn in Leverkusen alle zusammen kämpfen.

Kommen Tunnel und Stelze?

Und das ist noch nicht gesagt. Die Bürgerliste ist nach dem Erörterungstermin sogar leicht optimistisch, dass die von ihr favorisierten Vorschläge - ein Tunnel unter dem Rhein von Köln aus nach Leverkusen für den Gesamtverkehr oder zumindest eine Kombination aus Rheinbrücke für den Regionalverkehr und Rheintunnel für den Durchgangsverkehr - für den ersten Bauabschnitt noch im Rennen sind und sie sich deshalb nicht mit einem kurzen Tunnel nur durchs Stadtgebiet begnügen muss. "Die Vertreter der Bezirksregierung haben sich unsere Vorschläge genau erläutern lassen und sich sehr interessiert gezeigt", berichtet Erhard Schoofs von der Bürgerliste.

Zumal ein zwölfspuriger Ausbau der A1 über dem Rhein (vier Spuren davon sind dem Landesbetrieb Straßenbau zufolge nur Auf- und Abfahrspuren) weitere Probleme verursachen würde. "Dann nämlich käme es direkt dahinter, im Löwenicher Tunnel, zu einem neuen Engpass, der ebenfalls beseitigt werden müsste. Das hat Straßen NRW bei der Erörterung zugegeben." Darüber hinaus sei mit den Alternativvorschlägen kein Eingriff in die Giftmüll-Deponie nötig.

Kritiker: Wenn Deponie für Ausbau geöffnet wird, zahlt der Bürger

Eine Autobahn durch die Bayer-Altlast will auch der Leverkusener Rolf Kraneis verhindern. "Noch liegt die Haftung für die Deponie bei der Firma Currenta, die auch die Abdichtung vorgenommen hat", sagt der Ingenieur. "Wenn Straßen.NRW für den A1-Ausbau die Dichtung öffnet, geht die Haftung auf den Bund über und damit auf den Steuerzahler. Ich will nicht, dass eine Bayer-Altlast vergesellschaftet wird." Doch genau das, ist Kraneis überzeugt, sei das Kalkül des Unternehmens. "Wenn Currenta die Deponie los ist, schönt das die Bilanz und steigert den Börsenwert." Kraneis wundert sich ohnehin, wie eine Privatunternehmen wie Bayer/Currenta als "Träger öffentlicher Belange" eingestuft werden und so schon frühzeitig in die Planungen einbezogen werden kann. "Das Unternehmen verfolgt doch private Interessen."

Die Bürgerliste ihrerseits behält sich eine Klage vor, sollten die Einwände nicht berücksichtigt werden. Gemeinsam mit dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) und Privatleuten will sie dann vor das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ziehen.

Die Entscheidung, wie der erste Bauabschnitt umgesetzt wird, soll bis Ende des Jahres fallen. Klaus Wolf glaubt nicht, dass etwas anderes als eine Brücke dabei herauskommt. "Die Ausschreibungen für die Arbeiten sind ja schon in Vorbereitung", sagt er.

Quelle: RP
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