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Leverkusen
Ein wildes Vergnügen mit grenzüberschreitender Musik

Leverkusen. Die blau ausgeleuchteten Wände im Spiegelsaal deuteten bereits an, dass dies kein normaler Kammermusikabend werden sollte - trotz der durchaus traditionellen Besetzung mit zwei Blockflöten, Violine, Cello und Klavier ohne jegliche elektronische Hilfe. Von Monika Klein

Doch die fünf Mitglieder der Gruppe Spark entlocken ihren Instrumenten Klänge, die weit über den normalen Gebrauch hinausgehen. Sie mixen klassische Avantgarde mit Elementen von Beat, Jazz und Minimal Music. Und das machen sie nicht nur mit zeitgenössischen Kompositionen, die für Ausnahmeensembles wie sie geschrieben wurden. Da findet sich dann mitten im Programm auch schon mal ein traditioneller Folksong wie "Greensleeves" von Vaughan Williams oder ein Satz aus einem Telemann-Concerto.

Barockmusik behandeln sie genauso wie die übrigen Programmpunkte: einzigartig. Sie bürsten alles kräftig gegen den Strich, erfinden die Musik neu durch ungewöhnliche, aber kernige Akzente und drehen die Temposchraube auf Anschlag. Furchtlos und wild, Unfallgefahr kennen sie nicht, denn hier haben sich ausgesprochen virtuose Musiker zusammengetan.

Dank ausgezeichnetem Handwerkszeug können sie sich praktisch alles erlauben. Als "klassische Band" etikettieren sie das, was ihnen vor vier Jahren einen Echo Klassik in der Kategorie "Klassik ohne Grenzen" einbrachte. KulturStadtLev präsentierte sie in der Reihe "Grenzgänger", die alles bündelt, was in keine der üblichen Schubladen passt. "Wild Territories" war das aktuelle Programm im Schloss überschrieben.

Der Titel umschrieb nicht nur die Musikauswahl, die Bilder von wilder Natur erzeugt wie das dreisätzige "Alpha Dog" von Kenji Bunch aus dem Jahr 2011, das kampfeslustige junge Wölfe beschreibt. Wild wie die Tiere in der Musik stürzen sich diese Musiker auf jede neue (und mitunter alte) Komposition. Mit unglaublichem Engagement durchleben sie Linien und Klänge, machen sich gegenseitig Platz und jedes übernimmt mal den Percussions-Part. Nur der Pianist hat ein Notenblatt, alle anderen spielen auswendig, haben durchweg engen Kontakt und bewegen sich im Raum.

Die Ensemble-Gründer Andrea Ritter und Daniel Koschitzki bedienen sich dabei an ihrem großen Flötenvorrat, wechseln die Instrumente mehrfach innerhalb eines Stückes und bringen damit eine breite Palette an Klangfarben ein. Dass man auch einem Tasteninstrument ungewohnten Sound entlocken kann, führte Mischa Cheung mit einem Solostück von Fazil Say vor. Da legte der Pianist eine Hand auf die Saiten, während er die entsprechenden Tasten anschlug, um dumpfe Tamburin-artige Töne zu erzeugen. Ebenso faszinierend das rasante Solo von Victor Plumettaz, der sich als beeindruckende Mischung aus Rockstar und Cello-Virtuose präsentierte. Der vorwiegend wilde Konzertabend hatte zum Glück auch seine stillen und hinreißend ausdrucksvollen Momente.

Quelle: RP
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