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Leverkusen
Eine Frau contra tausend Baustellen

Leverkusen: Eine Frau contra tausend Baustellen
FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Vanessa Walz hat für das Projekt "Bayer cares for society" Straßenkindern auf den Philippinen geholfen. Von Ludmilla Hauser

Mit Bettwanzen, Kakalaken, Spinnen manchmal hautnah zu leben - das hat Vanessa Walz nichts ausgemacht. Vielmehr ist ihr der Fakt nahegegangen, dass sie sich am anderen Ende der Welt "alleine gegenüber einer Million Baustellen" wiederfand und sich trotz Rückschlägen immer wieder berappeln musste. "Man merkt dann ganz schnell: Hier bin ich wirklich auf mich gestellt", gesteht die 29-jährige "Bayer Business Consulting"-Mitarbeiterin. Im normalen Leben beschäftigt sie sich mit Veränderungsprojekten bei Bayer, demnächst wohl mit der Integration des US-Unternehmens Monsanto in den Konzern.

Aber für zehn Wochen war für die junge Frau ein völlig neues Leben "normal". Vanessa Walz nahm am Projekt "Bayer cares for society" teil, bei dem Konzernmitarbeiter an Einsatzorten auf der ganzen Welt soziale Hilfestellung geben. Walz nahm ein Projekt auf, zu dem zwei Jahre zuvor eine Kollegin aufgebrochen war. Damals war das kurz nach einem Taifun auf den Philippinen gewesen, das "Holy Infant College" des Ordens "Holy Sisters of Mercy" brauchte dringend Hilfe. Nicht nur finanziell.

Zwei Jahre später "hat sich schon viel getan", erzählt Walz. Stets fließend Strom oder Wasser aber dürfe man nicht erwarten. Nun sei es um langfristige Planung gegangen, unter anderem darum, den Schwestern dabei zu helfen, wie ein geerbtes Stück Land nachhaltig bewirtschaftet werden kann.

Allerdings: Dazu kam es erstmal nicht. Vielmehr half die Deutsche den Schwestern zunächst bei strategischen Grundlagen zu Finanz- und administrativen Themen. Walz beschreibt ihre drei Aufgabenbereiche: "Es ging um Fragen, woher das Geld für die Einrichtungen kommt und wie man es besser nutzen kann. Es ging auch um den Aufbau eines neuen Geburtshauses auf dem Areal des Ordens, die Finanzierung und die Frage, wie schwangere Frauen davon erfahren und tatsächlich kommen. Und ich habe mit Straßenkindern Experimente gemacht."

Der Orden betreibt neben einem Krankenhaus und einer Schule auch ein Straßenkinderzentrum. Walz wirkt nachdenklich, als sie berichtet: "Viele Eltern schicken ihre Kinder statt zur Schule zum Metallsammeln oder Betteln, damit Geld reinkommt. Das Ziel des Zentrums ist es, Kinder von der Straße zu holen, ihnen einen regelmäßigen Tagesablauf zu vermitteln, zum Beispiel Pünktlichkeit oder Händewaschen vor dem Essen, aber auch eine Basis in Rechnen und Schreiben. Und ein auch den Spaß am Lernen." Vanessa Walz hat das auf praktische Weise getan: Von den Mitarbeitern der Bayer-Schülerlabore hat sie sich einfache Experimente für zu Hause mitgeben lassen. Ergebnis: Die Kinder am anderen Ende der Welt hatten jede Menge Spaß daran, entdeckten Neues, lernten. "Und drei von ihnen besuchten tatsächlich wieder die Schule", erzählt die 29-Jährige lächelnd. Ein großer Erfolg, über den sich Walz ebenso gefreut hat wie über die vielen kleinen Etappenziele: "Wenn die Kinder jeden Tag zum Zentrum gekommen sind, wenn sie sich von alleine die Hände gewaschen haben, das war schön zu sehen." Und hat wettgemacht, wenn es mal wieder einen Rückschlag gab, wenn sie von den Einzelschicksalen der Kinder erfahren hat, wenn sie Tage hatte, an denen sie gedacht hat: "Ich geh' wieder." Dass sie durchgehalten hat, sei eine sehr gute Erfahrung gewesen.

Zurück aus dem puristischen Leben in einem Schwesternzimmer ("Ich hatte ein Bad. Sie haben sich wirklich viel Mühe gegeben, mich gut unterzubringen"), hat Vanessa Walz dreierlei festgestellt: Erstens: Die Auswahl in der Kantine war so "groß, ich konnte mich nicht entscheiden", erzählt sie. Zweitens: "Über was sich Leute hier den Kopf zerbrechen, ist oft unwichtig." Und drittens ein Kompliment: "Die Menschen dort sind die gastfreundlichsten der Welt."

Quelle: RP
 
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