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Leverkusen
Eine Hotline ins Jenseits

Leverkusen: Eine Hotline ins Jenseits
Kabarettist Stephan Franke kam bei seinem Auftritt beim Bestattungshaus Bertram gut an. Er sagt über sein Programm: "Ich wollte zwei schier unvereinbare Themen, Tod und Humor, miteinander verbinden." FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Der Krefelder Kabarettist Stephan Franke beschäftigt sich humorvoll mit dem Sterben und brachte dem Publikum in Rheindorf ganz neue Aspekte zum Tod nahe. Von Bastian Quednau

Sich über den Tod lustig machen und der Trauer mit Humor begegnen - für viele Menschen ein schwieriger Gedanke, nicht jedoch für Stephan Franke. Der Krefelder Kabarettist wagt sich an das Thema "Sterben" sowohl mit einer Menge Witz, als auch mit dem dazugehörigen Respekt heran. Am Freitagabend trat er im Rheindorfer Projekthaus des Bestattungshauses Bertram auf.

Dort sinniert er über den Tod und ein mögliches Leben danach. Was wäre, wenn es eine Hotline zum Jenseits gäbe, so dass man verstorbene Angehörige telefonisch erreichen könnte? Würden die kürzlich Abgelebten dies möglicherweise als eine spirituelle Belästigung empfinden? Wie genau könnte ein postmortaler Frühling aussehen? Und muss der Tod aufgrund der Überbevölkerung bald von einer Sense auf einen Mähdrescher umrüsten? Franke lotet auch Grenzen aus: Grabbeilagen werden momentan wieder beliebter, doch was genau darf man einem Verwandten mit auf seine letzte Reise geben? Persönliche Gegenstände sind gut, Sperrmüll und alte Winterreifen, die man loswerden möchte, eher weniger.

"Am Anfang wusste ich nicht so recht, was mich erwartet, aber es war sehr unterhaltsam", sagt Besucherin Edith Hack. "Es war einfach mal was anderes." Häufig machten sich Kabarettisten über Politik lustig. "Da war das hier mal eine schöne Abwechslung." Auch für das Bestattungshaus Bertram war dies eine neue Erfahrung - zumindest teilweise: "Wir haben hier vier bis fünf Mal im Jahr Veranstaltungen, wie Lesungen oder Musikvorstellungen. Wir sind allerdings jetzt auch froh, jemanden gefunden zu haben, der zu unserer Branche passt", erklärt Maximilian Bertram, Junior-Chef des Bestattungsunternehmens.

Mit den Veranstaltungen wolle man den Kunden die Möglichkeit geben, "nach der Trauer einen Ort zu haben, wo sie gesellschaftliche Kontakte knüpfen können, wo das Umfeld aber gleichzeitig nicht zu groß und unpersönlich ist". Vor neun Jahren habe man damit begonnen. "Es wird nach wie vor gut angenommen."

Der Tod sei das letzte große Tabu-Thema im Kabarett, erklärt Stephan Franke, wie er zu diesem ungewöhnlichen Thema gekommen ist. "Und ich wollte zwei schier unvereinbare Themen, Tod und Humor, miteinander verbinden."

Am Ende sind viele Besucher froh, sich einmal über die verschiedenen Aspekte Gedanken gemacht zu haben: "Ich konnte mir nichts so richtig darunter vorstellen, aber ich wurde positiv überrascht", berichtet Anja Baldringer. "Vor allem die Telefon-Séance fand ich super."

Quelle: RP
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