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Leverkusen
Eine lange Nacht zu Ehren Johann Sebastian Bachs

Leverkusen: Eine lange Nacht zu Ehren Johann Sebastian Bachs
Christoph Lahme am Harmonium. In verschiedenen Besetzungen wurde Musik von Johann Sebastian Bach in der Christuskirche aufgeführt. FOTO: Miserius
Leverkusen. Es ist so, als käme die Musik direkt aus dem Himmel herab. So jedenfalls empfindet der niederländische Schriftsteller Maarten 't Hart die Kantaten Johann Sebastian Bachs. Die erste Begegnung mit Kompositionen des Thomaskantors trieb ihm geradezu die Tränen in die Augen.

Wer die lange Bach-Nacht in der Wiesdorfer Christuskirche zum 333. Geburtstag des Komponisten besuchte, den mögen ähnliche Gefühle überkommen haben. Zumindest aber wurde allen der unglaubliche Umfang und die Vielfalt Bach'schen Schaffens bewusst. Denn Kirchenmusiker Bertold Seitzer hat viele Kollegen für seine Idee begeistern können, eine würdige Geburtstagsfeier zum "rheinischen Jubiläumsjahr" auszurichten. In der Reihe 18, die er vor mehr als einem Jahr ins Leben rief, finden an jedem 18. Eines Monats um 18 Uhr Kurzkonzerte in seiner Stadtkirche statt. Dieses Mal hatte es, aus gegebenem Anlass, Überlänge. Von 18 Uhr bis Mitternacht wurde musiziert. Praktisch ohne Pause, abgesehen von kurzen Einrichtungszeiten, die ein auswärtiger Organist wie Samuel Dobernecker nun einmal braucht, wenn er sich erstmals an die Christuskirchen-Orgel setzt, um Bachs "Pièce d'orgue" und zwei Choralbearbeitungen zu spielen. Zeit für ein Getränk und einen Happen vom kleinen Büffet im Foyer, an dem sich die Besucher jederzeit bedienen konnten. Die kamen und gingen an diesem langen Abend. Manche gezielt zu bestimmten Programmpunkten auf dem langen Stundenplan, andere überließen es dem Zufall, ob sie eines der großen Orgelwerke wie die Toccata und Fuge d-Moll (mit der alles begann), "An Wasserflüssen Babylon" aus den Leipziger Chorälen (vorgetragen von Hans-André Stamm) oder Teile der Orgelmesse (vom Küppersteger Organisten Andreas Zopf gespielt) hören. Oder ob eines der unten aufgebauten Instrumente (Cembalo, Harmonium und Klavier) zum Einsatz kam, um weltliche Musik Bachs aufzuführen.

Als Beispiel für die großen Solo-Kompositionen stand die meisterhafte Chaconne d-Moll auf dem Programm, die Geigerin Katerina Chatzinikolao bereits in der letzten Reihe 18 gespielt hat. Es wurde vierhändig gespielt oder Flötenmusik vom Klavier beziehungsweise Cembalo begleitet, und es gab mit der Arie "Schafe können sicher weiden" aus der Jagdkantate auch ein klingendes Beispiel aus dem umfangreichen Kantaten-Schaffen Bachs, das Maarten 't Hart so sehr beeindruckt hat, dass er ihm in seinem Buch "Bach und ich" ein umfangreiches Kapitel widmete. Pfarrer Christoph Engels las zwischen den Musikbeiträgen, die von Bertold Seitzer moderiert wurden, ausgewählte Passagen daraus. Und er machte selbst Werbung für das Werk des Thomaskantors, mit dem sich heute jeder ganz einfach vertraut machen kann. Wenn er sich nur, wie es Engels bei der Vorbereitung auf diesen Abend tat, vor den Rechner setzt und auf Youtube jene Arien und Chöre anklickt, die Maarten 't Hart erwähnt, um das eigene Hörerlebnis mit dessen Beschreibung abzugleichen.

(mkl)
 
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