| 22.53 Uhr

Leverkusener Kunstnacht
Eine Nacht zwischen Mythen, Tanz und Sägespäne

Impressionen von der 10. Leverkusener Kunstnacht
Impressionen von der 10. Leverkusener Kunstnacht FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Die Jubiläums-Kunstnacht – die Aktion feiert in diesem Jahr zehnten Geburtstag – beeindruckte Freitagabend natürlich mit Kunstwerken. Aber auch mit ungewöhnlichen Angeboten von Gaumenfreuden bis zu optischen und akustischen Genüssen. Und mit einer Kettensäge. Von Ludmilla Hauser

Leverkusen "Die werden uns nicht mehr los": Es ist 20.42 Uhr, als Britta Heinrichs diesen Satz sagt. Zwei Stunden und 42 Minuten Kunstnacht hat sie da hinter sich. Ihre Erste. Nicht ihre Letzte. Die zweite Vorsitzende des Deutschen Familienverbandes will wieder mitmachen. Es war schließlich schwer genug, endlich dabei sein zu dürfen.

"Wir standen lange auf der Warteliste. Zum Kunstnacht-Jubiläum hat es endlich geklappt", erzählt Britta Heinrichs mit leuchtenden Augen. Auf der Hand balanciert sie einen Teller mit Naschereien wie Datteln und Ingwerstückchen, für größeren Hunger warten Falafel, Börek und Couscous-Salat. Die erste Kunstnacht des Familienverbandes an der Elsbachstraße (ent-)führt in die Welt von "1001 Nacht". Die Werke von neun Künstlern von Malerei bis Fotografie bilden auch die Kulisse für Luisa Duda, Isabell Künzel (beide 14), Kim Kometz und Flora Pohlmann (beide 15). Die vier Mädchen sind exotisch gewandet und strahlen.

Gleich geht's raus zum Auftritt. "Eigentlich wollten wir die Mädchen alle halbe Stunde auftreten lassen, die Leute fragen aber ständig nach, jetzt gibt's alle 15 Minuten eine Darbietung", sagt Heinrichs. Luisa sieht kein bisschen müde aus: "Das wird von Auftritt zu Auftritt besser. Die Leute sind total interessiert." Luisa trifft damit den Nagel auf den Kopf, und zwar für die gesamte Kunst(freitag)nacht. Als Lüder Seedorf im Künstlerbunker an der Karlstraße zum Beispiel seine Kettensäge anschmeißt, ist sein Atelier in der zweiten Etage mit Zuschauern gefüllt. Und mit Zuhörern.

Denn bevor Seedorf aus einem Baumstamm Schritt für Schritt die abstrakte Skulptur des Sonnengottes Horus zu formen beginnt, entführt auch er seine Gäste in eine ferne Welt, die der Mythologie. Er erzählt von Göttern, von Paris und der schönen Helena und von Reinhard Buchhorn. Denn der schaut auch zu in Seedorfs Atelier. Jedenfalls von einigen Fotografien.

Seedorf hat für Buchhorn eine Büste angefertigt, bei der der Oberbürgermeister sein Gesicht in der Hand hält. Das ist dem übrigen Kopf zugewandt. Buchhorn führt quasi ein Selbstgespräch. Das fasziniert Julian Mandry (8), der Seebergs Worten lauscht.

Mit großen Augen, aber wortlos. Eines kommt ihm über die Lippen, als der Künstler das Licht ausschaltet, um seine faszinierende Objektprojektion zu zeigen, etwas "das es in der Kunst bisher noch nie gab", umschreibt Seedorf. Julian fasst zusammen: "Cool." Der Achtjährige ist nicht von den Eltern mitgenommen worden, vielmehr "hab ich meine Eltern mitgebracht. Denn ich hatte eine Einladung zur Kunstnacht."

Die hatte der junge Monheimer über ein Projekt seiner Schule bekommen. Dass Lüder Seeberg unter anderem Süßigkeiten für seien Gäste bereithält, macht Julian den Besuch im Bunker, in dem ein gutes Dutzend Künstler Werke auf allen Etagen zeigen, erst recht schmackhaft. Apropos. Sattsehen kann sich Julia Holtgräwe gar nicht genug an den Werken von Johannes Seibt.

Eine just in der Kunstnacht erstandene Fotografie von ihm wird in den nächsten Tagen in der Holtgräwschen Wohnung in der Neustadt wohl einen Platz finden. Die haben die Holtgräwes erst vor drei Monaten bezogen, als sie mit den Kindern Malte (12) und Annalena (14) aus Bremen hergezogen sind. Auch für die Familie – die Eltern stammen aus Köln – ist es die erste Kunstnacht in Leverkusen. Und die startet quasi vor der Haustür. Im Jungen Theater Leverkusen.

Das heißt: Davor. Denn dort projiziert RP-Fotograf Uwe Miserius Bilder an die teils in Farbe illuminierte Bunkerwand. "Toll", lobt Thomas Holtgräwe, "diese Farbe auf Beton." Drinnen zeigt Miserius unter dem Titel "10x15" Smartphone-Art – teils extrem verfremdete Fotografien. Mitglieder des JTL um Claudia Sowa bieten zwischendurch eine passende witzige Lesung aus dem Buch "SMS von gestern Nacht". Marita Klause aus Leichlingen, die die Kunstnacht mit dem Fahrrad durchstreift, regen Miserius' Bilder an. "Das ist doch im Neulandpark", sagt sie. Der Fotograf widerspricht: "Nee, das ist in Leichlingen." Klause lacht: "Aber wirklich schön."

Als sie weiterradelt – sie will vor dem Jubiläums-Feuerwerk um 21.45 Uhr an Schloss Morsbroich noch viel sehen –, kommt Kulturdezernent Adomat in die Neustadt, der so viele der 45 Kunstnachtstationen besuchen will, wie es geht. Zur ersten von zwei Tanzaufführungen in der Tanzstelle an der Düsseldorfer Straße schafft er es nicht.

Dort tummeln sich zahlreiche Gäste, auch viele Kinder, die die Darbietung vor Fotografien von Roland Keusch bewundern wollen. Auch Familie Holtgräwe – Mutter Julia mit der Fotografie von Seibt unterm Arm – hat den mit Teelichten illuminierten Weg zur Tanzstelle gefunden. Und trifft auf Kunstnacht-Erfahrung: "Wir machen zum zehnten Mal mit", erzählt Tanzstellen-Chefin Astrid Groh. Ein Satz, den Britta Heinrichs vom Familienverband hofft, auch irgendwann einmal zu sagen.

 
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