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Leverkusen
Eine Prise Heimat aus Afghanistan

Leverkusen. "Über den Tellerrand" - Flüchtlinge und Studentinnen kochten gemeinsam im NaturGut Ophoven. Von Gabi Knops-Feiler

Die Bilder des fernen Geburtsortes, die per Beamer an die Bistro-Wand von NaturGut Ophoven geworfen wurden, blieben weitgehend unbeachtet. Zu angeregt unterhielten sich die Flüchtlinge mit den etwa gleichaltrigen Studentinnen, während aus der Küche zugleich fremde und wohl bekannte Gerüche an die Nasen drangen. Eine Prise Heimat wollten die Deutschen den Zugereisten bei diesem interkulturellen Austausch bieten. Nicht zum ersten Mal, denn seit einem Jahr ist das NaturGut offizieller Partner des bundesweiten Projektes "Über den Tellerrand", das Kochevents anbietet, um ein Miteinander für Flüchtlinge und Einheimische zu ermöglichen. Durch Kochen als eines der meist akzeptierten Medien des kulturellen Austausches sollte es gelingen, das Thema Asyl aus einer neuen, positiven Perspektive zu beleuchten und Barrieren zu senken.

Geplant und vorbereitet wurde das Treffen am Samstagabend von Studenten der Fachhochschule des Mittelstandes in Köln. Im Beisein von Dozentin Heike Willms sollten sie im Rahmen ihres Studiums Soziale Arbeit aufzeigen, wie sie Projekte führen und eigenverantwortlich organisieren. Schon lange vorher hatten sie Spenden aus Bioläden beschafft, Rezepte zusammengestellt und Mengen berechnet. Aus Zutaten wie drei Kilo Reis, 1,5 Kilo Joghurt oder 2,5 Kilo Fleisch ließen sich am Abend selber so allerlei schmackhafte Speisen zubereiten.

Während sich die jungen Frauen Darin und Khonaf, beide 18 Jahre und aus Syrien, sowie Zhulikan (24) aus Tschetschenien mit der Vorspeise (Joghurt-Minze-Dip und Hummus) beschäftigten, schnippelten die Anderen das Gemüse. Zwei Naturgut-Mitarbeiterinnen - darunter Julia Volkmer (19), die dort ihren Bundesfreiwilligendienst ableistet - standen hilfreich zur Seite. Gegen 19 Uhr hatten alle Hunger und wollten nicht länger warten, bis Saidagha und Abdul Hadim, zwei Männer aus Afghanistan, mit der Hauptspeise fertig waren.

Beide sind seit einem Jahr in Deutschland und wohnen in Schlebusch. "Kochen macht Spaß", erzählten sie, während "Qabele Palau", eine Art Lammfleischeintopf mit Zwiebeln, Rosinen, Pistazien und Karotten, auf dem Herd brutzelte. In deren Heimatland, sagten sie, sei es üblich, dass nicht nur Frauen, sondern auch Männer kochen würden. Schließlich wurde nicht nur deutscher Apfelkuchen als Nachspeise serviert. Sondern obendrein auch noch Musik. Der Rapper Amer Wakka (22), der vor einigen Jahren aus Syrien geflohen war, hatte an dem Abend seinen zweiten Auftritt in Deutschland.

Quelle: RP
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