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Leverkusen
Eine Spielebox für die Integration

Leverkusen: Eine Spielebox für die Integration
Ganz schön viele Spiele sind drin in der neuen "Internationalen Spielebox", die die Kinder der Kita Sandstraße (Bild) so wie die Besucher von sieben weiteren Kitas mit Freuden entgegennahmen und jetzt wohl ausgiebig testen werden. FOTO: u. Miserius
Leverkusen. Flüchtlinge und angehende Erzieher haben am Berufskolleg Opladen eine "Internationale Spielebox" entwickelt. Diese sind mit 15 selbstgebastelten Kinderspielen aus aller Welt gefüllt und wurden an acht Kitas in der Region verteilt. Von Roman Zilles

Ein paar Versuche benötigt er schon, um zu demonstrieren, wie es geht. "Ich habe das seit 15 Jahren nicht mehr gemacht", begründet Mustafe Mahamud. Aber schnell hat er den Dreh wieder raus: Er wirft das kleine, goldene Säckchen in die Luft, sammelt geschwind ein noch kleineres, grünes Fröschlein vom Spielfeld und fängt das Säckchen wieder auf. Alles mit der rechten Hand. In Somalia kenne "Aj Aj" jedes Kind. Es werde dort von Mädchen und Jungen bis zehn Jahren gespielt - allerdings ohne Spielfeld und Frosch-Figürchen, "sondern mit Steinen und einem Loch im Boden", berichtet Mahamud.

Vor gut anderthalb Jahren kam er aus seiner Heimat nach Deutschland und besucht inzwischen eine der drei internationalen Klassen des Berufskollegs Opladen, in denen Flüchtlinge unterrichtet werden. In den vergangenen Monaten stand für den 21-Jährigen und etwa 30 seiner Mitschüler etwas Besonderes auf dem Stundenplan: Gemeinsam mit rund 20 angehenden Erziehern des Kollegs wurde eine "Internationale Spielebox" entwickelt und mit Inhalt gefüllt.

Sprich: Die Teilnehmer haben zunächst Kinderspiele aus aller Welt gesammelt und im Anschluss die nötigen Utensilien für die Brett-, Steinchen- oder Katenspiele gebastelt. Letzteres sei "die Hauptarbeit des Projekts gewesen, das wir nun schon zum zweiten Mal umgesetzt haben", verriet Berufskolleg-Lehrer Marcus Nick, der nun mit Beteiligten jeweils eine Spielebox in acht verschiedenen Kindertagesstätten in Leverkusen, Leichlingen und Langenfeld verteilte.

Als achte und letzte Station stand die Kita an der Sandstraße auf dem Plan. Dort betreuen Leiterin Petra Kannengießer und ihre Kolleginnen insgesamt 87 Kinder aus über 20 Nationen. "20 Plätze bei uns sind für Kinder aus dem Wohnheim gegenüber", erläuterte Kannengießer. Sie versprach, dass nicht nur die Kinder in ihrer Einrichtung in den Genuss der neuen Spiele kommen sollen. "Wir werden sie auch in unserem Elterncafé anbieten und hoffen, dass sie weitergetragen werden", sagte die Leiterin. Insgesamt haben die Berufskolleg-Schüler 15 Spiele in die Kiste gepackt: Neben dem afrikanischen "Aj Aj" findet sich die "Reise um die Welt", die ursprünglich aus Indien stammt und dem hierzulande bekannten "Mensch ärgere dich nicht" ähnelt. Und "Tinto" aus Guinea, das wie eine Mischung aus Mühle und TicTacToe daherkommt. Und die Kartenspiele "Piqperik" aus Albanien und "Wojna japkow" aus Polen.

Oberbürgermeister Uwe Richrath dankte den Beteiligten, dass sie mit ihrem Projekt "spielerisch Interesse an der Integration wecken" und versucht sich gegen den jungen Leon im Tinto. Derweil dachte Lehrer Marcus Nick in die Zukunft. Wenn auch künftige Berufskolleg-Schüler eine Spielebox entwickeln, "dann könnten wir uns eventuell weiter professionalisieren. Etwa hinsichtlich der Produktion." Dann könnte man die Kisten an interessierte Einrichtungen vielleicht sogar verkaufen. "Ich glaube, dafür könnte es einen Markt geben", sagte Nick. "Und mit dem Erlös könnte man die Flüchtlingshilfe unterstützen."

Quelle: RP
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