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Leverkusen
Eine Trutzburg schützt die Kreativität der Stadt

Leverkusen: Eine Trutzburg schützt die Kreativität der Stadt
Das Innere des Künstlerbunkers ist puristisch gehalten. So liegt die Betonung bei den wechselnden Ausstellungen komplett auf der Kunst. FOTO: UM (Archiv)
Leverkusen. Zum Schutz gegen Fliegerbomben wurde der Hochbunker mit angeschlossenem Flachbunker an der Karlstraße während des Zweiten Weltkriegs errichtet. Nach unterschiedlichen Nutzungen haben bildende Künstler und Theaterensembles dort eine Kulturmeile geschaffen. Von Monika Klein

Gebaut wurde der sechsgeschossige Hochbunker an der Karlstraße in der ehemaligen Kreisstadt Opladen im Krieg zum Schutz für die Bevölkerung in der Eisenbahnersiedlung. Die nahegelegene Bahnstrecke und das Bahnausbesserungswerk waren Ziel mehrerer Fliegerangriffe im Zweiten Weltkrieg. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz und ist zum Schutzraum für Kunst geworden.

Das Erdgeschoss wird als Galerie, und die Räume in den oberen Etagen werden von 13 Künstlern als Ateliers genutzt. Im ersten Stock hat die Studiobühne eine eigene Spielstätte bekommen. Neben dem kleinen Zimmertheater mit 50 Sitzplätzen gibt es eine Garderobe und ein Requisitenlager.

Das Gebäude gehört dem städtischen Eigenbetrieb KulturStadtLev, der in den vergangenen Jahren erhebliche Summen in die Fassadensanierung investieren musste, weil von herabstürzenden Teilen eine Gefahr ausging. Für die Instandhaltung der Innenräume und Nebenkosten müssen die Künstler selber sorgen. Die griffen im übrigen auch 1988 selber zu Farbtöpfen, Rolle, Quast und eigenen Ersparnissen, um ihr neues Domizil bewohnbar zu machen.

Nach 1945 hatten zunächst Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten vorübergehend Obdach im Hochbunkertrakt gefunden, der wie eine Trutzburg als Eckbetonung zur Humboldtstraße hingesetzt wurde. Daran schloss man einen Flachbunkertrakt mit Satteldach an, das von oben wie ein Kirchenschiff wirken musste, der Hochbunker mit Arkadenaufsatz und Zeltdach daneben als "Kirchturm". Damit wollte man einen städtebaulichen Schwerpunkt in der Opladener Neustadt setzen und eine verbesserte Tarnwirkung gegenüber Fliegeraufklärung erreichen. Der Grundriss ist nahezu quadratisch, auffällig ist der vorgestellte halbrunde Turm, in dem Anfang der 1950er Jahre ein Großaufzug errichtet wurde. Außerdem wurden damals die dicken Mauern aufgebrochen, um große Fensterfronten zu schaffen. Die Firma Wöllenstein hatte 1950 einen Teil der Produktionsstätten für Lichtwerbung dorthin verlegt, nur Glaserei und Ätzerei blieben och in der Altstadtstraße, während in den sechs Stockwerken des Hochbunkers die modernen Werkstätten für die Serienherstellung eingerichtet wurden. Die Firma arbeitete am Fließband für Auftraggeber aus der Industrie.

An der Seite schließt sich ein dreigeschossiger langgestreckter Flachbunkertrakt an, der einige Jahre als Fahrradwerkstatt gedient hat, bis die Stadt das Gebäude dem heimatlos gewordenen Jungen Theater Leverkusen als Spiel- und Ausbildungsstätte überließ. Wie im Künstlerbunker nebenan wurde auch hier mit vereinten Kräften ehrenamtlich und mit eingeworbenen Spenden renoviert.

So ist inzwischen die ganze Straßenseite der Karlstraße zur Arbeitsstätte für theaterspielende und bildende Künstler geworden. Beim Straßenfest im Sommer oder in der jährlichen Kunstnacht wird besonders sichtbar, wie viel Kreativität in diesen schützenden Mauern freigesetzt wird. Bildhauer, Maler, Objektkünstler und Zeichner aus Leverkusen verbringen hier viele Stunden. In den elf Ateliers haben im Laufe der Jahre 30 verschiedene Künstler gearbeitet. Die jüngere Generation hat neue Kurs-Formate wie die "Kunstgymnastik" eingeführt oder zusätzliche kurze Wochenendausstellungen mit Eventcharakter.

Die Galerie im Erdgeschoss wird im Wechsel von der AG Leverkusener Künstler bespielt, seit deren Domizil in der Galerie am Werk geschlossen wurde. Im Frühjahr veranstalten die Bunker-Künstler einen Tag der offenen Ateliers, an dem Besucher das Haus durchwandern können. Eine gute Gelegenheit, um Arbeitsatmosphäre zu erschnuppern und die Bedrückung der eigentlichen Bestimmung des Gebäudes zu erspüren, dessen nüchterner Charme erhalten geblieben ist.

Quelle: RP
 
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