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Leverkusen
Eklat beim Wirtschaftsempfang

Leverkusen: Eklat beim Wirtschaftsempfang
Der grüne Ex-Bürgermeister protestierte beim Wirtschaftsempfang gegen die Haltung des Stadtchefs in Sachen A1-Ausbau. FOTO: Miserius (Archiv)
Leverkusen. Montagabend wurde der Unternehmerpreis 2016 an die Hitdorfer Kaminfirma Engel verliehen. Eigentlich eine festliche Veranstaltung, die aber durch den Ex-Bürgermeister Klaus Wolf gezielt zum Protest gegen die A1-Baupläne genutzt wurde. Von Ulrich Schütz

Zum städtischen Wirtschaftsempfang waren 300 Unternehmer, Politiker, Vertreter der städtischen Gesellschaften und Verwaltungsmitarbeiter ins Forum eingeladen. Eine feine Gesellschaft, bei der die Anzugfarbe Schwarz dominierte. Klaus Wolf, der seit Jahrzehnten bekannt kämpferische Leverkusener Grünen-Politiker, lief im legeren Jeans-Freizeitlook auf. Schon zu seiner Bürgermeisterzeit gehörte "alternative" Kleidung, in diesen Zeiten eine Zimmermannshose, zum bevorzugten Kleidungsstück. Wolf ist Aufsichtsratsmitglied der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die den festlichen Empfang veranstaltete. Und trotzdem provozierte Wolf während der Rede von Oberbürgermeister Uwe Richrath den Eklat des Abends.

Die Veranstaltung plätscherte gerade erwartungsgemäß dahin, als Klaus Wolf aus einer der letzten Sitzreihen seinen Zwischenruf in den Saal polterte: "Ein Wahnsinnsprojekt. Dafür wird in die Altlastendeponie eingegriffen. Das darf nicht wahr sein", tönte der Grünen-Politiker unüberhörbar. Die Gäste saßen bis dahin gemütlich im großen Theatersaal und hörten ruhig Uwe Richrath zu. Er hatte soeben in seiner persönlichen Erklärung betont: "Ich sehe zu einem schnellstmöglichen Neubau der A1-Rheinbrücke keine Alternative - dafür ist die Zeit leider längst abgelaufen. Dies hat auch der Rat so beschlossen."

Bekannte sich am Montagabend vor Leverkusener Firmenchefs zum Bau der neuen und breiteren A1-Rheinbrücke: Oberbürgermeister Uwe Richrath ließ sich auch durch einen überraschenden Zwischenruf nicht aus dem Konzept bringen. FOTO: Uwe Miserius

"Ja, mein Zwischenruf an dieser Stelle war gezielt und mir wichtig", bestätigte Wolf gestern. "Das Gesamtpublikum muss begreifen, was auf Leverkusen mit den A1-Projekten zukommen wird." Sein lauter Protest sollte die Rede unterbrechen und die versammelte Unternehmerschaft zu einem Denkprozess anregen. Wenn der Oberbürgermeister vor diesen Leuten ausdrücklich hervorhebe, alles mit der Rheinbrücke sei prima und jetzt müsse das ohne einen Ansatz von Bedenken passieren, "dann ist das falsch", argumentierte Wolf.

Richrath steht dennoch zu seiner Meinung: "Wenn Leverkusen als Wirtschaftsstandort eine gesicherte Zukunft haben soll, sind wir zwingend auf eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur angewiesen", sagte der Stadtchef. Die Brücke müsse so jetzt kommen, "da habe ich auf dem Empfang nichts Neues gesagt", erinnerte Richrath gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. Er stufte den Wolf-Protest als unpassend für eine Veranstaltung zur Ehrung eines Unternehmens ein. "Aus der Bahn wirft mich das aber nicht. Demokratie ist so..."

Wolf und die Grünen wollen - nach langem Suchen nach einer Haltung zum A1-Ausbau - alles eine Nummer kleiner. Für die neue Rheinbrücke reiche die sechsspurige Variante, die geplante 12-spurige Brücke sei überdimensioniert. Vor allem, weil damit ein großer Eingriff in die Altlastendeponie verbunden sei, sagte Wolf und kritisierte: Andere Varianten, etwa Brücke plus Tunnel unter dem Rhein durch, seien erst gar nicht abschließend geprüft worden, auch eine Tunnellösung im Bereich Hitdorf/Monheim mit Fortführung der A 542 nicht. Die Realisierung "Tunnel statt Stelze" im Bereich Küppersteg sieht Wolf nicht: "Wir bekommen für 15 Jahre eine gigantische Baustelle in Leverkusen. In anderen Städten, etwa in Köln, würde es niemand wagen, eine zwölfspurige Hochstraße mitten durch die Stadt zu ziehen!"

Quelle: RP
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