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Leverkusen
Erfrischend und durchdringend: die Jazztage-Frauen

Leverkusen. Wenn es überhaupt eines Beweises bedarf, dass Frauen bei den Leverkusener Jazztagen eine wichtige Rolle spielen, dann waren Avery Sunshine und Sophie Hunger zwei weitere typische Belege dafür. Die eine, Avery, eher der Typ Femme fatale, die andere, Sophie, eher der Typ unscheinbar und schüchtern. Avery mit kurzem und glitzerndem Haar, Sophie die Brave in schwarzem Kleid verkörpernd und das Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden - beide boten eindrucksvolle Shows und zeigten einmal mehr, wie weit man die Jazztage musikalisch auslegen sollte. Von Siegfried Grass

Vor dem Konzern formulierte Andreas Wegener, der in Opladen geborene Keyboarder der Kölner Mundartgruppe Bläck Fööss, die übrigens an den ersten drei Dezembertagen wieder im Opladener Scala auftritt, seine Erwartungen: "Ich hoffe, dass ich mal wieder etwas Neues höre." Seine Erwartung wurde nicht enttäuscht, zumindest die Schweizerin Sophie Hunger bot erfrischend andere Musik, die von ganz leisen Stücken - sogar vollkommen ohne Begleitinstrument - bis zum satten, fast punkartigen Sound reichte.

Besucher, die schon viele Konzerte der Jazztage verfolgt haben, sahen die Schweizerin, die sich keineswegs als ein tugendhaftes Mauerblümchen entpuppte, als erfrischend anderen Typ von Sängerin. Sie experimentiert mit dem Sound, das alleine sorgte schon für Kurzweil. Sie schreit und lacht, unterhält ihr Publikum auch mit witzigen Bemerkungen. Sie spielt Gitarre und sitzt zwischendurch am Klavier und singt dabei viele Texte in deutscher Sprache. Man wird sicher noch viel von der 32-Jährigen hören.

Nur mit der Begleitung eines Gitarristen kommt Avery Sunshine aus. Sie spielt zusätzlich auf dem Keyboard. Mehr ist im Grunde auch nicht nötig, denn ihre Stimme ist so durchdringend, so umfänglich, dass sie eine komplette Band damit ersetzen kann.

Avery versteht es zudem, das Publikum einzubinden. Sie ist eine Vertreterin des Blues, kann durchaus auf einer Stufe mit Randy Crawford oder Aretha Franklin mithalten. In der Ankündigung heißt es: "Avery Sunshine füllt die Lücke für alle, die ausgehungert sind nach authentischem, kompromisslosem Soul und R&B".

Diese Erwartung hat sie voll erfüllt. Und damit bestätigt: Das Programm der Leverkusener Jazztage darf - orientiert man sich an dem Begriff "Jazz" - nicht apodiktisch ausgelegt werden.

Quelle: RP
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