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Leverkusen
Erinnerungen an den Genossen Bruno Wiefel

Leverkusen. Zahlreiche Fotografien und persönliche Dokumente aus dem Nachlass des 2001 verstorbenen beliebten Politikers erzählen von dessen Engagement für die Stadt Opladen und die Bundesrepublik Deutschland, für die SPD-Fraktion, die Gewerkschaft und den Bauverein GBO. Von Monika Klein

Per Telegramm wurde Bruno Wiefel am 3. Oktober darüber informiert, dass er als Landtagsabgeordneter "infolge Mandatsniederlegung anderer Abgeordneter" nachrücken konnte. Es sollte ein kurzes Gastspiel werden, Wiefel schien zu höherem geboren. Bei der Wahl 1965 schaffte es der Opladener Bürgermeister in den Deutschen Bundestag. Seine Abgeordneten-Bank aus der damaligen Hauptstadt Bonn steht heute als Zeitzeugnis im Leverkusener Stadtarchiv, wo demnächst auch das besagte Telegramm landen soll. Noch hat Stadthistoriker Reinhold Braun eine ganze Kiste mit Dokumenten und zahlreichen Fotografien aus dem Nachlass Wiefel zum Einscannen.

Intensiv hat er sich mit den Zeitzeugnissen beschäftigt, als er 2004 einen Vortrag erarbeitete zum 80. Geburtstag des drei Jahre zuvor verstorbenen Bruno Wiefel. Zu dessen 75. hatte im Jahr 1999 Michael Schmidt ein Buch über den erfolgreichen Parteigenossen veröffentlicht. Während seines Studiums in Bonn habe Wiefel ihm mehrmals ermöglicht, Bundestagsdebatten von der Pressetribüne aus live zu verfolgen, sagt Reinhold Braun. "Für mich war er ein elder statesman, ein abgeklärter und liebenswerter Mensch und Politiker." Einer, der seine politischen Positionen sachlich verfolgte, ohne Mitstreiter und Gegner anzugreifen, anzuschwärzen oder herabzusetzen. Was manche Genossen auch als "nicht Partei ergreifend" kritisierten.

Beim Stöbern in der Kiste mit Fotografien wird noch einmal deutlich, wie umtriebig, engagiert und dicht bei den Leuten er war. Wie sehr ihn außerdem die Politprominenz achtete. Die bekannten SPD-Köpfe fanden den den Weg nach Opladen, um Bruno Wiefel im Wahlkampf zu unterstützen. Willy Brandt sprach 1965 auf dem Opladener Marktplatz. Helmut Schmidt und seine Frau Loki kamen ebenso als Helfer wie Carlo Schmid, Hans-Jochen Vogel, Johannes Rau und Herbert Wehner, der zwei Mal zu Wiefels Geburtstag anreiste. Vom Gespräch zwischen Brandt und Wiefel wurde eine ganze Fotoserie gemacht, die sich wie ein kleiner Film zusammenfügt.

Ein Stapel mit Ausweisen erinnert daran, wo Bruno Wiefel überall aktiv war. In der Fraktion natürlich, an die er während seiner Bundestagszeit monatlich 500 DM Beitrag bezahlte, wie die eingeklebten Märkchen im Mitgliedsausweis dokumentierten. Er konnte sich ausweisen als Mitglied der SPD, der Gewerkschaft, im Rat der Stadt Opladen, des Bundestages, der Bundesversammlung, die 1979 den Bundespräsidenten wählte. Er besaß einen Fischereischein und einen Segelflugschein.

1948 trat Wiefel in die SPD ein. Seit 1947 war er Mitglied der Gewerkschaft ÖTV, Anfang der 1950er arbeitete er hauptamtlich für die Eisenbahner-Gewerkschaft. Seine politische Karriere startete 1950 mit der Nominierung für den Kultur-und Sportausschuss.

1951 heiratete er Marianne Schwardtmann, die - stets im Hintergrund - ihrem Mann den Rücken freihielt. Sie versorgte den Haushalt und die gemeinsame Tochter Claudia. Nach einem Patt bei der Kommunalwahl 1956 teilten sich CDU (Jacob Melzer) und SPD die Legislaturperiode. Wiefel wurde zwei Jahre später mit 34 Jahren jüngster Bürgermeister Opladens. Von 1965 bis 1987 war er Mitglied des Deutschan Bundestages.

Quelle: RP
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