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Köln/Leverkusen
Erzbistum gibt 27,5 Mio Euro für Flüchtlingshilfe

Köln/Leverkusen. Der Name ist Programm. Die Aktion "Neue Nachbarn" hat das Erzbistum Köln nicht als kurzfristige Erste Hilfe mit Suppe und Obdach für ankommende Flüchtlinge, sondern auf Dauerhaftigkeit angelegt. Von Monika Klein

In einer ausführlichen Presseinformation mit Rainer Maria Kardinal Woelki stellten die Verantwortlichen vor, was seit dem Start vor einem Jahr bereits erreicht wurde und was für die nächste Zukunft geplant ist. Während es anfangs vor allem um Willkommenskultur ging, müsse man sich nun stärker auf Integration konzentrieren, beschrieb Caritasdirektor Dr. Frank Johannes Hensel den derzeitigen Stand.

19 000 Aktive seien dem Gebot der Stunde gefolgt und hätten sich ehrenamtlich engagiert. "Da sind eine Menge Engel unterwegs", sagte er, aber: "Wir müssen darauf achten, dass wir sie nicht auspowern." Das bedeutet, mehr Hauptamtliche und damit mehr Geld. In diesem und im kommenden Jahr habe das Erzbistum insgesamt 27,5 Mio Euro für die Aktion "Neue Nachbarn" bereitgestellt, so Woelki. Das alleine reicht noch nicht, das Geld muss auch abfließen. "Es ist leicht, einen Fördertopf auszuloben, aber wir müssen es auch auf die Straße bringen", sagte der Caritasdirektor und listete auf, wo dies inzwischen der Fall ist.

So wurden 15 Stellen für Koordinatoren eingerichtet, die Arbeit vor Ort vernetzen sollen. Die Gemeinden können Unterstützung aus dem Flüchtlingsfonds in Anspruch nehmen, Anträge seien schnell herunterzuladen, auszufüllen und würden innerhalb von 14 Tagen bearbeitet. Der Fonds habe keine Obergrenze, sondern werde am Bedarf orientiert und liege mittlerweile bei fünf Mio Euro. Das Personal brauche professionelle Begleitung, manche Pfarrer hätten über 100 Ehrenamtliche um sich, das müsse organisiert werden. Mehr Zeit braucht der (Um-)Bau von Wohnraum, bisher hat das Erzbistum 280 Wohnungen für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt, eine davon im Priesterseminar ist mit Muslimen belegt. 72 Pfarrheime sind in Flüchtlingsnutzung, 30 Flüchtlingsheime werden betreut. Dazu kommen Sprachkurse, auch in Kitas und Schulen - bisher wurden 7395 Teilnehmer erreicht - und Kurse für ehrenamtliche Sprachlehrer. Über 500 Flüchtlingskinder sind in katholischen Kindergärten angekommen und 40 in weiterführenden Schulen. Das sollen mehr werden, als Ziel für das nächste Jahr gilt: ein Kind pro Klasse. Das wären dann 750 Schüler.

Nicht zu unterschätzen sei die Öffentlichkeitsarbeit, weil sie das Klima beeinflusst. Nach der großen Glockenschlagaktion, mit der man der ertrunkenen Flüchtlinge gedachte, wurden in Schulen rote Armbänder als Solidaritätskennzeichen verteilt. Der Internet-Auftritt werde deutschlandweit abgefragt und zähle rund 1000 Zugriffe pro Tag. Stark genutzt werde die Facebook-Gruppe, vor allem zum Tausch von Sachmitteln bis hin zur Vermittlung von Wohnungen. Einem reichen Land wie Deutschland müsse es möglich sein, sowohl die derzeitigen Flüchtlingszahlen wie auch alle anderen sozialen Aufgaben zu bewältigen, findet Woelki.

Quelle: RP
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