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Serie Die Oldtimer-Schätzchen (4)
"Eumel" hat noch einen großen Traum

Serie Die Oldtimer-Schätzchen (4): "Eumel" hat noch einen großen Traum
Von wegen Ruheständler. Seit er nicht mehr arbeiten muss, gibt Jürgen Schreier erst so richtig Gas in Sachen Oldtimer. FOTO: Miserius Uwe
Leverkusen. Vor sieben Jahren hatte das Traumauto von Jürgen Schreier eigentlich nur Schrottwert. Er kaufte das BMW 700 Sport-Coupé trotzdem. Für 350 Euro. Rund anderthalb Jahre und fast 300 Arbeitsstunden später strahlte das Auto in ganz neuem Glanz. Von Gabi Knops-Feiler (Text) und Uwe Miserius (Fotos)

Leichlingen Eumel ist immer dabei. Das seltsame Wesen mit den großen Augen und Ohren, dem rot-weißen Pullover samt blauer Latzhose und gelben Schuhen hat Ulrike Schreier gestrickt, um zu beweisen, dass "Eumel" lebt. Denn irgendwelche Witzbolde hatten den Hinweis "Eumel verreckt" auf die Motorhaube des Oldtimers von Ehemann Jürgen Schreier geschrieben. Obwohl: Als der 68-jährige Leichlinger den Wagen im Jahr 2009 für 350 Euro in Heinsberg/Neuss erwarb, sah es ganz danach aus.

Wohl niemand hätte seinerzeit auch nur einen Cent darauf gewettet, dass aus einem alten Schrotthaufen jemals wieder ein solches Prachtexemplar werden würde. Doch wie Phönix aus der Asche ist das BMW 700 Sport-Coupé neu entstanden. Dazu bedurfte es eines langen Atems.

Kein Problem für Schreier, der 2005 in Vorruhestand ging. "Ich war gerade dabei, einen BMW-"Langheck" zu restaurieren", erinnerte er sich, als ihm dieser "Kurzheck" angeboten wurde. Von dessen Anblick ließ er sich nicht abschrecken, denn "dieses Sport-Coupé war mein erstes Auto". Nachdem er einst beim Gespräch unter Freunden sagte, dieses Modell werde auch sein letztes Auto sein, sah er nun eine gute Möglichkeit, dass sich dieser Spruch bewahrheiten könnte.

Unter dem Motto "Aus zwei mach' eins" wurde der Langheck ausgeschlachtet. Nur noch der Original-Motor - mit 700 Kubik, 40 PS und zwei Doppelvergasern - war zu gebrauchen. Fast eineinhalb Jahre und 300 Arbeitsstunden investierten Sohn Stefan (44) und sein Arbeitskollege in der Werkstatt des Langenfelder Autohauses Schnitzler, um alles wieder herzurichten. Selbst Senior-Chef und Ex-Rennfahrer Willy Bergmeister war begeistert. Bleche wurden ausgeschnitten und neu zusammen geschweißt, kurz: die gesamte Karosserie wurde von Grund neu aufgebaut.

Wie ein Puzzle fügten sich alle Teile zusammen. Die neue Lackierung in Fjordgrau wurde aufgepeppt durch dunkelblaue Rallyestreifen auf Dach und Kotflügel. Sitze wurden gepolstert und bezogen, Armaturen, Drehzahlmesser, Tacho, Uhr und Fenster - samt der typischen Aufstellfenster im Heck - eingebaut. Zum Schluss fertigte Ehefrau Ulrike Himmel und Seitenverkleidungen. Fünf Jahre später durfte das Auto auf die Straße. Damit die Karosserie nicht angebohrt werden muss, gab es dann sogar noch - mit Empfehlung vom TÜV - das aufgeklebte Nummernschild GL-CS 2 H.

"Er fährt wie ein Go-Kart durch die Kurve", berichtete Jürgen Schreier, während der Auspuff für den typischen Sound eines Rennwagens sorgte. Denn, und das ist das Besondere an diesem Oldtimer, der laut Tacho 69.000 Kilometer gelaufen ist: Er ist dem Rennwagen von Hans Stuck, dem Vater von Rennfahrer Hans-Joachim Stuck, nachempfunden. Das Original steht im Museum, der einzige Nachbau in Schreiers Garage.

"Es hat sich gelohnt", sagt der stolze Besitzer heute, der noch einen großen Traum hat: "Einmal die Deutsche Alpenstraße von Sonthofen nach Oberjoch im Allgäu fahren." Dort findet seit 1999 alljährlich das "Jochpass Memorial" für Oldtimer statt.

Quelle: RP
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