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Leverkusen
EVL-Halbmarathon hat viele Sieger der Herzen

Das war der EVL-Halbmarathon 2016
Das war der EVL-Halbmarathon 2016 FOTO: Miserius, Uwe
Leverkusen. Der 87-jährige Wulf Schwerdtfeger kam beim EVL-Halbmarathon unter dem Jubel der Menge ins Ziel. Im 3500 Läufer großen Starterfeld liefen Lanxess-und Currenta-Chefs ebenso, wie Behinderte oder Feuerwehrleute in ihren Uniformen. Von Tobias Krell

Auf den letzten Metern musste sich Wulf Schwerdtfeger noch einmal merklich quälen. In einer Art schnellerem Spaziergang absolvierte der 87-jährige Bergisch Gladbacher beim EVL-Halbmarathon die letzten von insgesamt 5000 Metern. Dass es zu mehr in diesem Jahr (erstmals) nicht mehr langte und die Sieger dieses kürzeren Laufs bereits lange im Ziel waren, tat der Begeisterung der Zuschauer im Zieleinlauf auf der Kölner Straße keinen Abbruch.

Ihr Jubel und Klatschen trug den Senior über die Ziellinie. Und als der "Sieger der Herzen" laut nachdachte, ob die 15. Teilnahme aus gesundheitlichen Gründen vielleicht seine letzte gewesen sein könnte, kam vom Streckenrand zarter "Protest". Menschen wie er oder das jeweils zur Hälfte aus Menschen mit und ohne Behinderung bestehende Team der "Lebenshilfe-Werkstätten" (passendes Motto: "Inklusion, wir machen das laufend") sind die eigentlichen Sternchen einer Veranstaltung, die mit ihrem Charme problemlos auch ohne große Stars auskommt.

George Degen aus USA gewinnt überraschend

EVL-Halbmarathon Leverkusen 2015

Dazu passt ein Sieger wie George Degen ganz hervorragend. Zusammen mit einer Freundin aus Aachen bestritt der junge Mann aus Wisconsin in den Vereinigten Staaten den ersten Halbmarathon seines Lebens und gewann zur eigenen Verblüffung prompt – in einer durchaus ordentlichen Zeit. "Eine wirklich sehr nette Strecke", schwärmte der Sieger, zu dessen Freude sich Begleiterin Sophie Lohmann in der Damenwertung durchsetzte.

Bekanntester Läufer im Feld war sicherlich Matthias Zachert. Das ist auch kein Wunder, war der Vorstandsvorsitzende von Lanxess doch Kopf des größten Laufteams im Feld. Das Unternehmen stellte 630 der insgesamt rund 3500 Läufer. Und der ein oder andere im auffälligen weißen Shirt mit den grau-roten Verzierungen konnte hinterher feixen, er habe den Chef überholt, der (so ein Zitat) "schon ganz schön am Pumpen war". "Fix und fertig, aber glücklich", fasste denn auch Zachert nach dem Zieleinlauf (Platz 431, Zeit: 1:46,43) seine Gefühle zusammen. Der Humor war ihm auch auf dem Schlussanstieg zum Birkenberg ("eine Quälerei") nicht verloren gegangen. Zur Frage, ob zu seiner Arbeitsplatzbeschreibung auch die verpflichtende Teilnahme gehöre, verweigerte er grinsend die Auskunft. Mitarbeitern, die ihn überholt haben, droht keine Abmahnung. "Ich wollte das erst notieren lassen. Aber die Kollegin, die ich damit beauftragen wollte, lief noch weiter hinten im Feld", bemerkte er augenzwinkernd.

Liam Condon läuft auch von der Arbeit nach Hause

Als Gast kam neben Zachert auch CropSience Vorstand Liam Condon mit zur großen Abschlussfeier für alle Lanxess-Starter. Beide philosophierten über die "phantastische Strecke" und die "tolle Stimmung" (insbesondere auf der Zielgeraden). Der Lanxess-Chef holte sich Tipps vom Iren, der fast 20 Minuten früher im Ziel war (1:27,04, Platz: 42), für den TV Refrath startet, viermal die Woche trainert und hin und wieder sogar von der Arbeit (in Leverkusen oder Monheim) heim nach Bergisch Gladbach läuft (!). Im Gegenzug verriet er, wie er die Zahl der Lanxess-Starter wieder gesteigert hat. "Ich habe mich sogar in der Pause einfach an Tische gesetzt und die Leute angesprochen", sagte Zachert, der insgeheim von einem Laufteam von 700 oder sogar 800 Mitarbeitern träumt.

Spannende und amüsante Geschichten gab es viele zu erzählen rund um den 15. Halbmarathon. Etwa die von Barbara Wehr. Die angehende Brandmeisterin der Berufsfeuerwehr Leverkusen lief wie einige Kollegen in Uniform im Gegensatz zu diesen aber nicht in der Staffel, sondern über die volle Distanz (Platz 189, Zeit: 2:02,35 ) – angesichts des denkbar ungeeigneten "Laufdresses" eine wirklich beeindruckende Energieleistung. Auch die (von vielen Angehörigen begeistert angefeuerten) kleinen Starter bei den Schulstaffeln oder den Bambini-Läufen begeisterten und boten viel Stoff für manche Heldengeschichte.

Und im nächsten Jahr – da waren sich die meisten Starter am Sonntag einig – sehen wir uns hier wieder. Dann wollen sie erneut starten beim Leverkusener Halbmarathon. Den hat auch Publikumsliebling Wulf Schwerdtfeger noch nicht abgeschrieben.

 

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