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Leverkusen
Ex-Stadtchef Buchhorn tritt aus der CDU aus

Leverkusen: Ex-Stadtchef Buchhorn tritt aus der CDU aus
Die Leverkusener stimmten im Oktober 2015 nur zu 29,8 Prozent für Reinhard Buchhorn. Sein Gegenkandidat Uwe Richrath erzielte mit 51,2 Prozent die absolute Mehrheit und löste Buchhorn als Stadtchef ab. FOTO: UM
Leverkusen. Der ehemalige Oberbürgermeister rechnet in einem persönlichen Schreiben gründlich ab - mit seinen "Parteifreunden" in Leverkusens CDU, aber auch mit der Kanzlerin. Von Peter Clement

Ein Blatt hat er nie vor den Mund genommen. Das ist bei Reinhard Buchhorn heute, ein Jahr nach seiner spektakulären Wahlniederlage gegen den SPD-Konkurrenten Uwe Richrath, nicht anders als noch zu seiner Zeit als Leverkusener Oberbürgermeister. Nur dass diesmal nicht die politischen Gegner, sondern seine eigenen "Parteifreunde" das Ziel der heftigen Kritik sind.

In einem Schreiben an die Geschäftsführung der Leverkusener Christdemokraten hat der ehemalige Stadtchef jetzt seinen Austritt aus der Partei zum 31. Dezember bekanntgegeben - und rechnet gleichzeitig gründlich mit ihr ab.

In dem Brief, der unserer Redaktion vorliegt, heißt es unter anderem: "Ich wurde vor rund eineinhalb Jahren von der Kreispartei, ich glaube sagen zu dürfen mit großer Mehrheit, zum OB-Kandidaten gewählt. Was dann kam, ist menschlich nicht nachvollziehbar." Die eine Hälfte der Parteimitglieder habe die Wahl gar nicht interessiert, ein weiterer großer Teil habe "halbherzig mitgespielt" - und ein nicht unerheblicher Teil ewig Gestriger habe offen gegen ihn gearbeitet.

So zerrissen, wie sich die Partei dargestellt habe, unter anderem mit zwei Partei-Verfahren und abstrusen Möchtegernpolitikern in den Stadtteilen, gebe es keine Chance, große Mehrheiten zu erzielen, fährt Buchhorn fort: "Leider ist überhaupt nicht abzusehen, dass sich daran etwas ändert, weil sich die Personen immer noch auf dem Egotrip befinden - wie übrigens auch die Bundes-CDU/CSU-Politik."

Ein großes Maß der CDU-Nichtwähler hat nach Auffassung des früheren Oberbürgermeisters dabei Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrer Flüchtlingspolitik zu verantworten. Buchhorn wörtlich: "Die Menschen auch in Leverkusen fühlen sich von den dunkelhäutigen Zuwanderern bedroht und in ihrer Existenz auf Dauer beeinträchtigt."

Als die Oberbürgermeister, weil sie von Gesetz wegen gar nicht anders gekonnt hätten, administrativ tätig geworden seien und mögliche Unterbringungen für die Flüchtlinge gesucht hätten, seien sie auch diejenigen gewesen, "an denen man sich dann ungeniert ausgetobt hat - bei Besprechungen, in Briefen, in und an Flüchtlingsunterkünften, im Rat und schließlich bei der OB-Wahl".

Für Buchhorn steht fest: "Während die SPD hinter ihrem Kandidaten stand, die WGL, Gewerkschaften und die Betriebsräte der städtischen Gesellschaften Front gegen den OB gemacht haben", hätten Bezirksvertreter der CDU im Stadtbezirk eins in völliger Unkenntnis der Sachlage einem Antrag zugestimmt, den eigenen Oberbürgermeister zu rügen. Ein Unding.

Die Landespartei hält Buchhorn für zu brav und wenig einfallsreich. Die Kanzlerin werde es "in ihrer Borniertheit hinbekommen, die CDU mit dem ,Wir schaffen das' im Bund auf deutlich unter 30 Prozent und damit zur Bedeutungslosigkeit" zu steuern. Unter diesen Voraussetzungen und den Erfahrungen, "die ich mit Neidern innerhalb und außerhalb dieser Partei gemacht habe, bin ich nicht weiter bereit mitzumachen", beschließt der Politiker seine Kritik, von der er nur wenige ausnimmt: etwa den Stadtverbandschef Frank Schönberger oder Brigitte Hupperth-Fastenrath.

Er selbst sei mit seinem Leben mittlerweile zufrieden, resümiert der einstige Vollblutpolitiker: "Ich konnte mir gar nicht mehr vorstellen, morgens bis 9 Uhr im Bett zu bleiben, den Abend frei und selbst zu bestimmen etcetera", lässt der Privatier durchblicken. Er habe seinen Brief auch nicht aus Frust, Wut oder Enttäuschung geschrieben, wolle nur vor Augen führen, "was aus meiner Sicht vorgefallen ist, was leider immer noch passiert und welche Konsequenzen diese Vorgänge zur Folge haben werden."

Er wünsche sehr, schreibt Buchhorn, dass die Partei aus ihrem Tief herausfinde.

Quelle: RP
 
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