| 00.00 Uhr

Leverkusen
Fahrradstraßen boomen - außer in Leverkusen

Leverkusen. Der Verkehr stocke bereits ohne Vorfahrt für Zweiräder, sagt die Stadt. Sie öffnet aber Einbahnstraßen und plant neue Radwege. Von Julia Zuew

Es ist kein Auto in Sicht, also warum spät am Abend noch an der roten Ampel stehenbleiben: Hand aufs Herz, die meisten Fahrradfahrer haben schon mal die Regeln gebrochen. Meistens aus Bequemlichkeit oder Ungeduld - manchmal aber auch, weil die Straßen nicht sonderlich fahrradfreundlich waren.

Viele kennen sich mit den Regeln im Verkehr ausreichend aus, brechen sie aber trotzdem, bestätigt Heinz Boden, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Leverkusen. Jedoch sei die Lage für Fahrradfahrer auch in Leverkusen vielerorts noch verbesserungswürdig, findet der Vorsitzende: "Besonders auf den Wegen zu großen Schulen wären Fahrradstraßen sinnvoll." Autofahrern kann die Nutzung durch ein Zusatzschild erlaubt werden. Die Zweiräder haben jedoch Vorfahrt, und Autofahrer dürfen nicht drängeln und maximal 30 Kilometer pro Stunde fahren.

In Bonn und Köln gebe es gelungene Beispiele des Konzepts, erzählt Boden. Dort sind Fahrradstraßen im Vormarsch. Die Stadt Leverkusen ist zurzeit dabei, zumindest ausgewählte Einbahnstraßen im gesamten Stadtgebiet für Fahrradfahrer zu öffnen, berichtet Stadtsprecherin Julia Trick. An rund 30 Straßen sollen bis spätestens Anfang 2017 Schilder aufgestellt werden, die das Befahren mit Fahrrädern erlauben, sie haben dabei keine Vorfahrt. Sie dürfen die Straße, im Gegensatz zu Autos, in beide Richtungen befahren. "Auch wenn vorher bekannt ist, dass eine Straße geöffnet wird, darf sie erst mit entsprechender Beschilderung von den Radfahrern genutzt werden", betont die Sprecherin. Die Lichstraße in Wiesdorf ist beispielsweise freigegeben, die Hafen- und die Langenfelder Straße in Hitdorf kommen als Nächstes dazu. Vermehrt auf Fahrradstraßen in der Innenstadt zu setzen, plane die Stadt jedoch nicht.

"Vor knapp zwei Jahren wurden Prüfungen der Geschwindigkeitsbegrenzungen und Straßenlage vorgenommen", erzählt die Sprecherin. Dabei sei auch abgewogen worden, wo Fahrradstraßen im Stadtgebiet sinnvoll wären - das Ergebnis sei ernüchternd ausgefallen. "An den meisten Stellen haben Autofahrer schon jetzt mit Stau und stockendem Berufsverkehr zu kämpfen", fasst Julia Trick zusammen. Fahrradstraßen kämen daher kaum infrage. Am Stadtpark in Wiesdorf gab es 1995 die erste Fahrradstraße in Leverkusen. Danach habe sich "jahrelang nichts getan", sagt Boden. Erst in den vergangenen drei Jahren kamen mit der Straße Grüner Weg, dem Hammerweg und einem Teil des Freudenthaler Wegs drei Fahrradstraßen dazu, bestätigt die Stadt.

Auf der Straße Krummer Weg sei ein weiterer Radweg geplant. Der Radweg zwischen den Seen in Hitdorf soll im kommenden Jahr asphaltiert werden, versichert die Stadt. Die Balkantrasse soll bis zum Bahnhof Opladen fortgeführt werden, sobald Arbeiten an den neuen Gütergleisen im Bahnhofsbereich fertiggestellt sind. Einen genauen Termin dafür gebe es noch nicht. Ex-Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn hatte 2015 angekündigt, die Arbeiten 2018 vollenden zu wollen (wir berichteten).

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Leverkusen: Fahrradstraßen boomen - außer in Leverkusen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.