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Leverkusen
Familiengeschichten von Krieg und Liebe

Leverkusen. Die Ausstellung der Arbeitsgemeinschaft Ahnenforschung zeigt Spannendes aus privaten Leverkusener Nachlässen. Von Vob Bernd Bussang

"Der Himmel ist beglückt, wenn mein Herz dich nur erblickt. Die Liebe ist sehr groß" - im Jahr 1809 schreibt der Korbmacher Gerhard Fabricius seiner Braut Anna Katharina Landwehr einen Liebesbrief, der auch äußerlich aus dem Rahmen fällt - er hat die Form eines Scherenschnitts. Der schriftlich fixierte Heiratsantrag war für den jungen Mann ein Türöffner in doppelter Hinsicht. Er öffnete das Herz seiner Angebeteten, und mit der Heirat erhielt er endlich den ersehnten Passierschein der französischen Behörden, die damals das Linksrheinische besetzt hielten, über den Rhein ins noch unbesetzte Bergische Land, wo die Braut auf ihn wartete. Der Spezialist für Babykörbe sollte übrigens schnell Arbeit in eigener Sache bekommen. Seine Frau schenkte ihm neun Kinder.

Johannes Peter Fabricius hat den schmuckvollen Liebesbrief seines Urahns sorgsam aufbewahrt. Er ist Teil der Ausstellung "Familiengeschichten in Leverkusen und der Welt", die vom 21. Mai bis zum 13. August in der Villa Römer zu sehen ist.

Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Ahnenforschung des Bergischen Geschichtsvereins und der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde präsentieren zum zweiten Mal Arbeitsergebnisse ihrer Familienforschung. War sie früher Privileg des Adels, später des aufstrebenden Bürgertums, so ist die Ahnenforschung heute ein beliebtes Hobby für jedermann geworden, erklärt Dr. Justus Junkers, Leiter der Arbeitsgemeinschaft. "Wir wollen dazu anregen, wie man über simple Daten hinaus die Geschichte der Familie lebendig werden lässt." Vielen Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft ist das bereits vortrefflich gelungen.

FOTO: Bernd Bussang

Friedrich Prinz etwa, der als Kind eine Erinnerungsurkunde und zwei Medaillen auf dem Dachboden seiner Oma in Lützenkirchen-Dürscheid fand. Es sind Erinnerungsstücke aus dem preußisch-österreichischen Krieg 1866, der mit einem Sieg der Preußen in der Schlacht bei Königgrätz endete. Sie gehörten Wilhelm Zimmermann (1838-1877), dem Ur-Ur-Großvater mütterlicherseits von Friedrich Prinz. Die Geschichte des Plüschwebers und Gefreiten hat sein Nachkomme akribisch recherchiert und dazu unter anderem die Regimentsgeschichte anhand alter Quellen studiert. Am 28. Juni, bei einer vorentscheidenden Schlacht bei Münchengrätz, im heutigen Tschechien, endete der Krieg für den tapferen Soldaten mit einem Schuss in den Unterleib. Er sollte sich davon erholen und zeugte acht Kinder.

Spannend ist auch die Geschichte der Familie Bachem. Stammvater Hubert Jacob Bachem (1847-1936) war ein weithin angesehener Mann und erster Polizist in Wiesdorf. Sein Enkel Jacob Bachem hatte hingegen eher künstlerische Ambitionen. Er war Grafiker und Illustrator. Als es ihm in seiner Heimatstadt zu eng wurde, ging er in den 1950er Jahren nach New York und avancierte dort zu einem erfolgreichen Buchillustrator. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland erledigte er Werbeauftragsarbeiten für Bayer. Das Porträt seiner Frau, mal lächelnd, mal mit schmerzverzerrtem Gesicht, erlangte Berühmtheit als frühe Ikone der Aspirinwerbung. Sein Sohn John Michal Bachem hat viele Grafiken seines Vaters gesammelt, ebenso wie einen eigenen Kinderausweis, der auch in der Ausstellung gezeigt wird.

Die Ausstellung öffnet morgen und ist bis zum 13. August in der Villa Römer - _ Haus der Stadtgeschichte zu sehen. Öffnungszeiten: samstags 15-18 Uhr, sonntags 11-16 Uhr. Eintritt: vier Euro (mit Dauerausstellung)

Friedrich Prinz (links) hat sich mit der Lebensgeschichte seines Ur-Ur-Großvaters beschäftigt und ist ihm bis aufs Schlachtfeld von Münchengrätz 1866 gefolgt. Spannend ist auch die Geschichte der Familie Bachem. Jacob Bachem (Mitte) war Buchillustrator, lernte sein Handwerk unter anderem in den USA und stieg dann in die Werbegrafik ein. Seine Frau porträtierte er für eine Aspirin-Kampagne in den 50ern. FOTO: Bernd Bussang
Quelle: RP
 
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