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Leverkusen
Fantasieanregendes Theater mit einem unsichtbaren Wicht

Leverkusen. Die Schauspieler Silvia Pahl und Klaus Wilmanns spielten in ihrer Vorstellung des Grimm-Märchens "Daumesdick" im Forum-Studio mit Luft. Von Monika Klein

Es braucht schon eine gehörige Portion Fantasie, sich den kleinen Winzling Daumesdick aus dem gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm vorzustellen. Ein kleiner Mensch, der genauso lachen und spielen will wie andere Kinder. Und der zudem so gewitzt ist, Lösungen für die Abenteuer des Lebens zu finden.

"Ihr hättet doch den Daumen anmalen können. Oder eine kleine Handpuppe oder eine Legofigur", schlugen Zweitklässler nach der gestrigen Märchenvorstellung im Forum-Studio vor. Darin war Daumesdick nämlich einfach nur Luft. Und doch wussten die jungen Zuschauer der Produktion vom "Theater 3 hasen oben" eigentlich immer ganz genau, wo sich der unsichtbare Wicht befindet und was er gerade so anstellt. Vielleicht sahen ihn sogar manche in ihrer Fantasie.

Genau darauf hatten es die beiden Spieler Silvia Pahl und Klaus Wilmanns angelegt. Denn in einer Welt, in der Kinder mit vorgefertigtem Spielzeug und Videos und Filmen überschüttet werden, ist wenig Platz für eigene Gedanken und Vorstellungen. Dass die Rechnung sehr wohl aufgeht, konnte man am Dienstagvormittag in zwei ausverkauften Vorstellungen erleben. Gebannt verfolgten vor allem die Kindergartenkinder das abwechslungsreiche, aufregende und vor allem sehr poetische Bühnengeschehen. Mit Hilfe weniger Requisiten schlüpften die Schauspieler in ein Dutzend unterschiedlicher Rollen und achteten dabei immer genau auf den unsichtbaren Daumesdick, dem Silvia Pahl die hohe Lage ihrer Sprechstimme lieh. Ein wahrer Kindertraum ist die Kommode, in der das kleine Wesen wohnt - auf mehreren Etagen, mit Strickleiter-Zugang zu den Schubladen. In die durften die Zuschauer hineinsehen, mit Hilfe einer Videokamera und simultan übertragenen Bildern. So erlebten sie die Welt zeitweise aus der Perspektive eines Winzlings. Das waren wunderschöne stille Momente, die in der Regel von der munteren Stimme des Kleinen gebrochen wurden. Emotionalität transportierte zudem die Musik, die auf Glockenspiel, Spielzeugklavier und Kontrabass zum Gesang erzeugt wurde. Das dicke Instrument diente schließlich auch noch als böser Wolf. Für die meisten der frischen "Kulturstrolche", die Zweitklässler der GGS Dönhoffstraße erhielten gestern die orangenen Kappen als Erkennungszeichen, war dies die erste Theatererfahrung überhaupt. Das Projekt "Kulturstrolche" wird sie in den nächsten Monaten noch in weitere städtische Kultureinrichtungen führen.

Gestern durften sie noch länger bleiben und die Schauspieler befragen, etwa nach dem Trick mit dem Licht oder eben warum Daumesdick nicht zu sehen war. Klaus Wilmanns ist in Leverkusen aufgewachsen. Das Kulturerleben im Forum beeinflusste seinen beruflichen Werdegang.

Quelle: RP
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