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Leverkusen
"Faust" mit starken Effekten und starken Lucas-Schülern

Leverkusen. Draußen scheint ausnahmsweise mal die Sonne - und das Unwetter findet derweil auf der Festhallenbühne statt. Blitze, bedrohliches Lichtgeflacker, Theaternebel und Laserschwerte sind im Einsatz. Der Literaturkurs Theater Q1 des Landrat-Lucas-Gymnasiums nutzte den freien Sonntagnachmittag zur Generalprobe der aktuellen Produktion, die nicht mit Effekten spart, um das Interesse der Zuschauer für einen 200 Jahre alten Klassiker zu wecken, dessen (Pudels) Kern so aktuell ist wie je. Von Monika Klein

Der Kursus bediente sich unter der Leitung des Deutschlehrers Marco Isermann des Originaltextes von Johann Wolfgang von Goethes "Faust I", setzte aber auf eine Interpretation, die den Gelehrten und seinen Pakt mit dem Teufel in die Gegenwart rückt.

Mephisto erobert die Szene als Tortenclown und ist von da an dauerhaft präsent - wendig, verschlagen und aalglatt. Statt in Auerbachs Weinkeller lässt man sich auf Dr. Fausts ausufernder Geburtstagsparty vollaufen. Doch bevor die zahlreichen Gäste sturzbetrunken über die Bühne schwanken, tanzen sie noch mit sicheren Schritten einen sehr wohl einstudierten Sirtaki.

Lehrerin Anjeli Nösse hat mit einem Teil des großen, 30 Personen zählenden Kurses Tanzelemente in das Theaterstück eingebaut. Abwechslungsreiche Choreographien zu unterschiedlichen Musikstilen führen nach mehreren Szenen die Handlung fort, kommentieren das Geschehen oder vermitteln Emotionen - wie das Wechselspiel von Zuneigung und Zweifel zwischen Gretchen und Faust.

Diese Einlagen sind eine Bereicherung einer starken Schüler-Theater-Produktion. Die Darsteller deklamieren deutlich und vermeiden leiernde Reime. Zudem sind sämtliche Hauptfiguren ausgesprochen gut besetzt mit Protagonisten, die konsequent in der Rolle bleiben und die Charaktere durchdrungen haben. Sie machen auch Gleichaltrigen den Zugang zu einem der bedeutendsten Literaturklassiker leicht. Trotz vieler Inszenierungsideen mit Bildern, Tanz und Effekten kommt der Inhalt nicht zur kurz. Alle bekannten Zitate sind so deutlich platziert, dass sie nicht im Sturm jugendlichen Theaterspiels untergehen. Das reduzierte Bühnenbild hat Treppenstufen, auf denen die Tänzer sich als Hintergrundpersonal bewegen oder in eingefrorenen Bildern das Geschehen säumen.

Gestern war die Premiere, heute und morgen (7./8. Juni) finden Aufführungen je um 19.30 Uhr in der Aula des Landrat-Lucas-Gymnasiums statt. Eintritt fünf, ermäßigt 2,50 Euro.

Quelle: RP
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