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Leverkusen
FDP feiert einen stillen 70. Geburtstag

Leverkusen: FDP feiert einen stillen 70. Geburtstag
Schauten in schönem Ambiente auf bewegte 70 FDP-Jahre zurück: Guido Fischer, Christine Blasberg, Gerhard Papke, Monika Ballin-Meyer-Ahrens (v.l.). FOTO: UM
Leverkusen. Zum 70. Gründungstag gab es im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich eine Rückschau auf die Geschichte der Partei. Von Monika Klein

Von Berufs wegen halte er viele Reden, aber ganz selten in so schönem Ambiente wie im Schloss Morsbroich, sagte der Vizepräsident des NRW-Landtags Dr. Gerhard Papke bei seinem Besuch in Leverkusen. Er war der Festredner beim 70. Geburtstag der FDP, der nun im Spiegelsaal des Schlosses gefeiert wurde.

150 Einladungen waren verschickt worden, nicht nur an die derzeit 75 Mitglieder des Kreisverbandes, sondern auch an Freunde und Multiplikatoren der Freien Demokraten, die in der Stadt derzeit keinen Fraktionsstatus haben, sondern als "Ratsgruppe" arbeiten. Nach der Begrüßung durch den Kreisvorsitzenden Dr. Guido Fischer hielt Schriftführerin Christine Blasberg zunächst Rückschau, beschrieb vor allem die Situation am 7. Januar 1946, als die 60 Personen ("meist ältere Herren in schwarzen Anzügen und einige Damen") in der ersten Etage des Opladener Hotels zur Post, das in den sechziger Jahren dem heutigen Woolworth-Gebäude weichen musste, um einen politischen Neubeginn rangen.

Auch hier waren die auswärtigen Gäste vom Bahnhof her an Kriegsruinen vorbeigekommen, aber die Zerstörung in Opladen war weit geringer als in Köln oder in Düsseldorf, wo sich kein geeigneter Saal samt Unterkünften für dieses Ereignis fand. Deswegen also die Gründungsversammlung in Opladen, wo Dr. Friedrich Middelhauve mit einigen Weggefährten treibende Kraft war. Wohnraum, Kleidung und Lebensmittel waren knapp, und viele Flüchtlinge aus dem Osten mussten versorgt werden. Mit der Namensgebung der neuen liberalen Partei tat man sich besonders schwer. Erst am zweiten Versammlungstag, am 8. Januar 1946, einigte man sich auf FDP, am 14. Februar besiegelte die positive Antwort der Britischen Militärregierung die Gründung.

Beim Hereinkommen hatten sich die Gäste dieser eher stillen Geburtstagsfeier bereits über die Historie der FDP in der Britischen Besatzungszone informieren können. Dokumente, die sich im Stadtarchiv und im Archiv des Liberalismus in Gummersbach auftreiben ließen, hatte man für dieses Ereignis kopiert und aufgehängt. Viele Schriftstücke, eng und sparsam beschriebene Schreibmaschinenseiten, waren es nicht. Papier war knapp, und manches Schriftstück wurde vermutlich recycelt, um in den Mangeljahren Feuer zu machen und Briketts darin einzuwickeln, vermutete Dr. Monika Ballin-Meyer-Ahrens.

Er habe großen Respekt vor den Demokraten aller staatstragenden Parteien, die damals unter schwierigen Rahmenbedingungen versuchten, das Leben wieder aufzubauen, sagte Papke. "Sie wussten um die Bedeutung der Freiheit, denn sie haben die Unfreiheit erlebt." Die Gründerväter wussten, wie fragil und bedroht Freiheit ist und hätten deswegen versucht, im Grundgesetz die Mahnung mitzugeben. Die Ereignisse der Silvesternacht in Köln und anderswo zeige, dass wahrhafte Demokratie und Freiheit auch heute verteidigt werden müssen.

"Ich hätte vor zwei Wochen nicht für möglich gehalten, dass so etwas in unserem Land passieren kann", gestand Papke. Und: "Dem müssen wir uns stellen." Die Politik müsse reagieren, damit der Rechtsstaat erhalten bleibe. Selbstkritisch fragte er: "Wo endet die für uns alle so wichtige Liberalität und geht in eine Beliebigkeit über, die Feinde unserer Gesellschaft gegen uns wenden?" Und: "Manches haben wir in unserer Blauäugigkeit zu lange hingenommen." Er müsse leider feststellen, dass Integration in vielen Fällen nicht funktioniere. Parallelgesellschaften dürften sich nicht weiter ausbreiten. "In Deutschland gilt nur die Rechtsordnung des Grundgesetzes. Wer nicht bereit ist, das zu akzeptieren, hat kein Bleiberecht in Deutschland."

Quelle: RP
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