| 00.00 Uhr

Leverkusen
Feuerwehr trainiert Kondition im Käfig

Leverkusen: Feuerwehr trainiert Kondition im Käfig
Atemschutz vorm Gesicht, Technik auf dem Rücken: So geht' es durch den vernebelten Übungskäfig im Chempark. Für den Fotografen haben die Feuerwehrleute das Licht angelassen, normalerweise ist's stockfinster. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Ab hinter Gitter heißt es jährlich für die Einsatzkräfte von Werks-, Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr: Um den Einsatz des Atemschutzes zu proben, müssen sie einen harten Parcours auf der Endlosleiter und im "Krabbelkäfig" bewältigen. Von Ludmilla Hauser und Isabell Konegen

Es ist finster, stickig, heiß und eng. Von hinten drückt die Last des Atemschutzgerätes, vorne stockt's, weil der erste Mann im schmalen Irrweg nach einem Weg sucht, einer Tür, einer Öffnung, einer Luke, irgendetwas um vorwärtszukommen. Weiter drin soll eine verletzte Person liegen, die aus den Flammen gerettet werden muss.

Das Szenario, das die Mitglieder der Werk-, Berufs und Freiwilligen Feuerwehren einmal im Jahr durchlaufen müssen, liest sich wie das Drehbuch zu einem Actionstreifen. Im Film muss sich nur der Held durch die Gefahren hangeln, im wahren Feuerwehrleben müssen alle entlang der Atemschutzübungsstrecke.

Die fängt im Chempark in einem kleinen Fitness-Studio mit Laufbändern und einer Endlosleiter an. Davor steht noch die Unterschrift auf einem Formblatt. Mit ihr signalisieren die Teilnehmer, dass sie sich fit für die Übung fühlen. "Die Prüfung auf Tauglichkeit ist immens wichtig. Bis zum Alter von 50 Jahren müssen Feuerwehrleute alle drei Jahre zum Tauglichkeitscheck beim Arzt, ab 50 in jedem Jahr. Feuerwehr-TÜV eben", erzählt Hanns-Ulrich Adam, Sachgebietsleiter Ausbildung bei der Werkfeuerwehr.

Auf der Teststrecke im Chempark läuft seit einiger Zeit die Übung für alle Feuerwehren in der Stadt, etwa für gut 85 Werkfeuer- und 140 Berufsfeuerwehrmänner und die zahlreichen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr. Laufen ist das Stichwort: Werkfeuerwehr-Azubi Stephan Mainka, Jens Schmitz und Grischa Bischoff (beide Berufsfeuerwehr) müssen auf der Endlosleiter, einem Simulator, 30 Meter klettern - in Feuerwehrmontur, mit Atemschutzgerät auf dem Rücken und -maske auf Nase und Mund: "Das Gerät wiegt um die 15 Kilo, dazu die übrige Ausrüstung. Da trägt man 25 bis 30 Kilo", ergänzt Adam. Weiterer Haken: "Der Sauerstoff im Gerät reicht für gut 30 Minuten." Mit 300 Bar Druck in der Flasche starten die Übenden; wer lange braucht, dem signalisiert die "Rückdruckwarneinrichtung" ab 55 Bar, dass die Luft dünn wird.

Es wird ernst: Für die Feuerwehrleute geht's in einen Gitterkäfig voller Irrwege, Rohre, Luken. Begleitet von einer situationsgetreuen Geräuschkulisse, im Dunkeln, bei 40 bis 50 °C, mit Diskonebel als Rauch. Die Männer sind auf "Tuchfühlung, also zur Sicherheit im Kontakt zum Kollegen", schildert Adam. Ein Vierter verfolgt im Leitstand die Übung, die Wärmebildkamera ist an, er kann im Notfall eingreifen.

Kaum haben die Drei aus dem beengten Irrweg herausgefunden geht's im Dunkeln zur letzten Übung: den Verletzten finden. Die Männer müssen eine verschlossene Türe öffnen und den Raum dahinter im Uhrzeigersinn durchsuchen, die Person rausholen. Als Mainka die Maske abnimmt, zeigt das Atemschutzgerät einen Druck von über 100 bar, bei Bischoff sind's 100, bei Schmitz 90. "Die Prüfung ist erfolgreich, wenn die Restdruckwarneinrichtung keinen Pfeifton abgibt", sagt Adam. Die drei Feuerwehrleute pfeifen noch nicht vor Anstrengung, streben aber einem Schrank entgegen. Dem mit den Handtüchern gegen den Schweiß.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Leverkusen: Feuerwehr trainiert Kondition im Käfig


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.