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Leverkusen
Filmregisseur übt Kritik an Bayers Agrarsparte

Leverkusen: Filmregisseur übt Kritik an Bayers Agrarsparte
Eine Biene im Raps auf der Bayer-CropScience Versuchsanlage in Burscheid. Das Unternehmen muss von Filmemacher Thurn Kritik einstecken. FOTO: uwe Miserius
Leverkusen. Dokumentarfilmer Valentin Thurn diskutierte im Scala mit einem Konzernvertreter seinen Film "10 Milliarden - wie werden wir alle satt?" Von Gabi Knops-Feiler

Heuschrecken, Grillen und Maden sind vielleicht nicht jedermanns Geschmack. Aber womöglich können wir bald nicht mehr so wählerisch sein.

Das behauptet Regisseur und Bestseller-Autor Valentin Thurn, der die Welt angesichts des unaufhaltsamen Wachstums der Bevölkerung und der zunehmenden Nahrungsmittelknappheit auf eine Ernährungskrise zusteuern sieht. Im Dokumentarfilm "10 Milliarden - wie werden wir alle satt?", der am Mittwoch 60 Zuschauer ins Scala-Kino lockte, wurden Einzelheiten und Lösungsansätze aufgezeigt.

Die wichtigsten Erkenntnisse lauteten: Kleinbauern müssen dringend gestärkt werden, denn sie sind das Rückgrat der Welternährung. Und speziell wir Europäer können mit unserem Essverhalten gewaltigen Einfluss darauf nehmen, in welche Richtung sich die globale Landwirtschaft entwickelt. Auf jeden Fall sollten wir weniger und vor allem regionales Fleisch essen.

In Thailand probierte der Filmemacher unter anderem proteinreiche Insekten, in Amerika drehte er auf der Farm für urbane Landwirtschaft von Ex-Basketball-Profi Will Allen, in Deutschland besuchte er die Labors von Bayer CropScience. "Der nächste Weltkrieg könnte durch Lebensmittelknappheit ausgelöst werden. Um es nicht dazu kommen zu lassen, brauchen wir schnelle und bedeutsame Innovation", wird Vorstandsvorsitzender Liam Condon zitiert.

Es folgt der Hinweis auf zehn große Konzerne der Agrarindustrie, die drei Viertel der Welt beherrschten und darauf, dass Bayer mehr Patente auf Genpflanzen habe als jeder andere Konzern der Welt.

Gibt es unvorhersehbare Gefahren bei Gentechnik? Welche sind das? Der Streit um die Gentechnik, fährt der Regisseur fort, verstelle den Blick auf Hybride, die weltweit im Vormarsch seien. Diese Pflanzen gelten zwar als besonders ertragreich, lassen sich aber durch Samen nicht vermehren. Heißt: Bauern müssten die Samen immer wieder kaufen, obwohl sie es sich nicht leisten könnten. Wenn sie es dennoch täten, würden sie abhängig.

Nach der Vorführung diskutierten Regisseur Valentin Thurn mit Bayer CropSciene-Pressesprecher Richard Breum und dem Publikum. Seine Firma sei nicht gut weggekommen, kritisierte Breum den Regisseur; die Debatte polarisiere. Zum Beispiel werde ein Feld gezeigt, auf dem Hybrid-Reis versagt habe, der eben keine Bayer Sorte sei.

Und: Wenn Hybride nicht funktionierten, würde sich das rumsprechen. Richard Breum betonte: Das Gegenteil sei der Fall, es gebe hohe Zuwachsraten und alleine in Indien würden etwa zwei Millionen Kleinfarmer, die eine Million Hektar Land bewirtschaften, im Schnitt ein 40 Prozent höheres Einkommen erzielen, arbeitete der Bayer-Vertreter heraus.

Quelle: RP
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