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Leverkusen
Fleisch nicht gar: 81 Campylobacter-Erkrankungen

Leverkusen. In den Sommermonaten schlägt das Bakterium gehäuft zu. Betroffen sind vor allem Fleischesser. Von Roman Zilles

Liebe geht durch den Magen - das gilt auch für alle Liebhaber vom Fleisch. Gar nicht so selten allerdings passiert dabei in diesen Wochen und Monaten noch etwas den Magen- und Darmtrakt: Campylobacter-Bakterien. 152 Mal wurden im vorigen Jahr Erkrankungen durch diesen Erreger in Leverkusen ausgelöst, in diesem Jahr waren es bislang 81.

Gemeinsam mit den Salmonellen bilden Campylobacter die häufigsten Ursachen bakterieller Infektionen, verdeutlicht Amtsarzt Dr. Martin Oehler. Auch wegen des gehäuften Auftretens von Erkrankungen in den Sommermonaten, genießen Campylobacter-Bakterien den zweifelhaften Ruf, eine "Grill-Erkrankung" zu sein. Denn zumeist kommt es zu Infektionen, weil Fleisch nicht lange genug gegart wurden. Auch wenn so etwas durchaus gehäuft vorkommen könne, wenn beim Grillen hohe Temperaturen dem Fleisch außen knusprige Bräune sorgen, während das Innere noch weitgehend roh ist, merkt Oehler an, dass es zu kurz gegriffen sei, Campylobacter als Grill-Phänomen abzutun: "Denn zu Infektionen kann es generell beim Zubereiten von Fleischspeisen kommen." Besonders oft komme der Keim bei Geflügelfleisch vor. Aber auch Schwein, Rind und weitere tierische Produkte wie Rohmilch seien mögliche Quellen für Infektionen.

Im Schnitt müssen 500 Keime aufgenommen werden, um zu Erkrankungen zu führen. Zum Vergleich: Bei Salmonellen sind es 100.000, beim Noro-Virus eins bis zehn. Zu den typischen (meist nach einigen Tagen abklingenden) Symptomen zählt vor allem Durchfall, eventuell Fieber. "Häufig verläuft eine Infektion aber ohne Symptome", sagt der Mediziner.

Krankenhausaufenthalte oder Antibiotika seien selten nötig, da das Bakterium nur Risikogruppen wie Kleinkindern oder immungeschwächten Personen gefährlich werden könne. Dennoch zählen Campylobacter-Infektionen zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Oehler: "Wegen der hohen Zahlen möchte man die Ausbreitung im Auge behalten." Auszumerzen sei das Bakterium nicht, "selbst nicht bei größter Hygiene in der Tierhaltung. Das gehört eben zur Natur", sagt der Amtsarzt. Sein Rat zur Vorbeugung: Fleisch gut garen und getrennt von anderen Speisen zubereiten. Im Falle einer Erkrankung sei zwar erhöhte körperliche Hygiene ratsam. Aber Übertragungen von Mensch zu Mensch seien selten.

Quelle: RP
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