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Leverkusen
"Flüchtlinge müssen Akzeptanz lernen"

Leverkusen: "Flüchtlinge müssen Akzeptanz lernen"
Imam Ibrahim Alinmaz und Ehrenamtlerin Susanne Kämmerling reichten sich an der Flüchtlinsgunterkunft Görresstraße die Hand. FOTO: Borgfeldt
Leverkusen. Respekt und Toleranz sind Grundvoraussetzungen für friedliches Zusammenleben und funktionierendes Miteinander. Aktuell scheint es vielerorts genau daran zu mangeln. Grund genug für eine dreiteilige öffentliche Kampagne. Teil 2. Von Gabi Knops-Feiler

Ist es ein Zeichen von Respekt, wenn eine Frau einem Mann die Hand reicht? In unserer Kultur unbedingt. Aber gilt das auch für die muslimische Kultur, aus der die meisten Flüchtlinge stammen? Susanne Kämmerling vom Verein "Leverkusen hilft" weiß es nicht. Und dennoch hat sie es getan. Vor den Augen Dutzender verblüffter Zuschauer hat sie Imam Ibrahim Alinmaz vom "Rat der islamischen Gemeinschaften" in der Unterkunft Görresstraße die Hand gegeben. Der Mann, der bei Muslimen als religiös-politisches Oberhaupt in Nachfolge des Propheten Mohammed gilt, hat die Hand genommen, ihr in die Augen geschaut und dabei freundlich gelächelt - völlig unüblich in muslimischen Ländern. Um Flüchtlinge in einer funktionierenden Gemeinschaft geht es im zweiten Teil der Kampagne "Respekt und Toleranz", die auf Initiative der Aktion "Lust auf Leverkusen" und "Leverkusen - der CLEVere Standort" der Wirtschaftsförderung (WfL) zustande gekommen ist und von verschiedenen Institutionen und Vereinen unterstützt wird.

Der Verein "Leverkusen hilft", im Oktober 2015 durch zwölf Unternehmer gegründet, hat sich zur Aufgabe gesetzt, die Situation der Neubürger durch Soforthilfe und Integration nachhaltig zu verbessern. 500 Helfer stehen bereit, um je nach Möglichkeit aktiv zu werden. Ständig im Einsatz ist Susanne Kämmerling, Ehefrau des Mitbegründers Ulrich Kämmerling. Sie geht in Unterkünfte, um zu helfen, mit Menschen in Dialog zu kommen. "Aufklärung ist das Wichtigste überhaupt", betont Kämmerling. "Das Mülltrennen kommt erst im zweiten oder dritten Schritt." Aufklären etwa über Grundsätze wie Respekt und Toleranz, die sie auch von Neubürgern einfordert. Beides ist in den Herkunftsländern fast so unbekannt wie Gleichberechtigung. Aber: "Geflüchtete müssen lernen, hier miteinander klar zu kommen, und dass man sich hier akzeptiert, egal an welchen Gott man glaubt oder nicht glaubt", sagt sie.

So lange die Menschen in Unterkünften lebten, könne man sie am besten erreichen. Sobald sie in eigene Wohnungen umziehen würden, beginne die eigentliche Integrationsarbeit. Kinder seien durch Schulen schnell integriert. Nun gehe es um die Eltern und deren Chancen, Deutsch zu lernen. Man könne niemandem ein Grundgesetz erklären, wenn er die Sprache nicht verstehe. Kämmerling: "Keinesfalls sollten wir die Fehler von früher wiederholen und die Menschen alleine lassen." Der Rat der islamischen Gemeinschaften kann dabei helfen. "Wir möchten eine Brücke für die Flüchtlinge in der Gesellschaft sein", versichert Vorsitzender Abdullah Ates vom DITIB Türkisch-Islamischen Kulturzentrum, das neben dem Integrations- und Kulturverein, der Islamischen Union, dem Marokkanische Moschee-Verein und der Moschee MesxhidiAksa zum Gremium gehört.

Quelle: RP
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