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Leverkusen/Köln
"Flüsterbremse" macht Güterzüge leiser

Leverkusen/Köln: "Flüsterbremse" macht Güterzüge leiser
Im Werk Köln-Gremberg zeigt Karl-Heinz Matthias die Montage der Bremsbeläge, die die Räder nicht mehr aufrauen. FOTO: UM
Leverkusen/Köln. DB Schenker Rail stellte gestern einen neuen Güterzug mit "Flüsterbremsen" vor. Dadurch rollen Züge 10 Dezibel leiser durch Leverkusen. Es wirkt, als wären die Güterzüge nur noch halb so laut. 2020 sollen alle Wagen umgerüstet sein. Von Christian Esser

Mitte 2013 wurde sie zugelassen - die "LL-Sohle" (low noise, low friction - wenig Lärm, wenig Reibung). Seitdem werden Güterzüge der DB Schenker Rail damit ausgestattet. Zehn Dezibel leiser rollen die Züge dadurch über die Gleise. Die noch an den meisten Güterwagen angebrachten Grauguss-Bremsklötze rauen die Räder auf. Dadurch werden sie lauter. Mit der LL-Sohle passiert dies nicht mehr. Ein Verbund aus Kunststoffen, die härter sind als die Grauguss-Bremsen, verhindert das Aufrauen, nutzt die Räder aber auch schneller ab. "Wir werden öfters die Räder wechseln müssen als bisher. Wir haben dazu aber noch keine genauen Erfahrungswerte. Nach 50 000 Kilometern kommen die Wagen erstmal in die Werkstatt zur Kontrolle", sagte Ali Dogru, Leiter des Werks Köln-Gremberg von DB Schenker Rail.

Für alle Leverkusener, die vom Bahnlärm belästigt werden, heißt es aufatmen. Denn bis 2020 könnte der Güterzugverkehr auf den drei Trassen, die durch das Stadtgebiet führen, nur noch halb so laut sein, subjektiv betrachtet. Denn das Ohr ist dafür verantwortlich, dass die Reduzierung des Lärms von 96 Dezibel aus 25 Metern Entfernung auf etwa 86 Dezibel nur noch als halb so laut empfunden wird.

2001 hat DB Schenker Rail begonnen, nur Güterzüge anzuschaffen, die geräuschärmere Bremsbeläge, "Komposit-Sohlen" (K-Sohlen), verbaut haben. Doch ist der Umbau von Grauguss auf K-Sohle teurer als auf die LL-Sohle, an der bis zum letzten Jahr geforscht wurde. Optisch ist sie kaum vom Grauguss zu unterscheiden. "Bereits jetzt sind 11 700 Güterwagen mit ,Flüsterbremsen' im Einsatz. Bis Ende des Jahres werden es 14 000 sein", sagte der Vorstandsvorsitzende von DB Schenker Rail, Alexander Hedderich. Die Umrüstung von insgesamt 60 000 Wagen kostet seine Firma rund 230 Millionen Euro. Der Bund beteiligt sich an der Umrüstungsfinanzierung. Doch nicht nur DB Schenker Rail muss umrüsten, sondern auch ausländische und private Unternehmen, die weitere 120 000 Güterwagen in Deutschland betreiben, wie etwa Chempark-Betreiber Currenta. "Seit einem Jahr haben wir Tests mit neuen Bremsen an unseren Zügen durchgeführt. So haben wir bislang 43 von rund 800 Wagen auf K-Sohlen oder LL-Sohlen umgerüstet. Bis 2020 folgt der Rest. Auch wir werden uns natürlich an die Vorschriften halten", versicherte gestern Mark Mätschke, Pressesprecher der Currenta.

Gegen 12.20 Uhr fuhr gestern von Köln-Gremberg ein leerer "Flüster-Güterzug" in Richtung Rotterdam. 25 Minuten später passierte er Leverkusen. Mit Erz und Kohle soll er von Rotterdam Richtung Mannheim zurückkehren - "flüsternd".

Quelle: RP
 
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