| 18.11 Uhr

Leverkusen
Fluggesellschaft verweigert Reise

Leverkusen. Weil die Kinderausweise nur eine Seite statt zwei Seiten Platz für die Einreisestempel nach Südafrika hatten, durfte die Leverkusener Familie Stephan nicht in den Flieger. Die Umbuchungskosten bekamen die Stephans auch aufgebrummt. Dabei will die Familie in Afrika Spenden übergeben. Von Ludmilla Hauser

Naya Lina (9) und Lauro Noél (8) waren aufgeregt. Osterferien in Port Elizabeth, Südafrika – klasse. Doch bis dahin kamen die beiden Leverkusener mit Mama Simone Stephan am vergangenen Dienstag gar nicht. Noch nicht mal bis ins Flugzeug. "Tut mir Leid, wir können Sie nicht mitnehmen", sagte die Dame am Check-In-Schalter im Düsseldorfer Flughafen entschieden. Simone Stephan verstand für einen Moment die Welt nicht mehr.

Die Spa- und Beautymanagerin, die an der Birkenbergstraße ein Kosmetikstudio betreibt, hatte alles so gut vorbereitet. Mit ihren Kindern wollte sie nicht einfach so Urlaub in Südafrika machen. Durch eine dort lebende Freundin lernte sie die Hilfsorganisation "Food for Africa" kennen, die sich vor allem für notleidende Kinder einsetzt. Simone Stephan wollte helfen, organisierte vor ein paar Wochen einen Trödelmarkt in den Studioräumen. Der brachte 700 Euro ein.

Kein Platz im Ausweis

"Die will ich gerne selbst überbringen, damit ich mir ein Bild davon machen kann, wo das Geld gebraucht wird", berichtete Simone Stephan gestern. Außerdem "ist die Reise für meine Kinder ein Beitrag zur Erziehung. Sie sollen sehen, dass es nicht selbstverständlich ist, alles zu haben, was man möchte." Die Mutter stellte ihr Anliegen bei der Schule von Naya und Lauro vor, die erlaubte den verfrühten Start in die Osterferien. Simone Stephans Freundin in Port Elizabeth erwartete die drei Gäste aus Leverkusen. "Und dann standen wir am Dienstag am Flughafen und wussten erstmal nicht weiter."

Grund für die Mitnahme-Verweigerung der Fluggesellschaft: Für die Einreise nach Südafrika muss der Kinderausweis zwei freie Seiten aufweisen. Die von Naya und Lauro hatten nur noch eine Seite frei. "Kinderausweise bestehen nur aus zwei Seiten", sagt Simone Stephan. Während der Nachwuchs mit Enttäuschungstränen kämpfte, kämpfte die Mutter dafür, doch noch mitgenommen zu werden, sprach bis zur Flugleitung vor. Vergebens, die Veranwortung wolle man nicht übernehmen, wenn die südafrikanischen Behörden die Kinder nicht ins Land ließen. Es half alles nichts: Abmarsch nach Hause.

Da las sich die 41-Jährige die Einreisebestimmungen noch einmal durch. "Ganz unten stand der Hinweis mit den zwei Seiten im Kinderausweis. Und zudem erfuhr ich später, dass es Kinderausweise seit 2006 gar nicht mehr gibt." Die von Naya und Lauro datierten davor, waren bis 2011 gültig. Simone Stephan ging zum Amt, ließ für die Kinder Reisepässe erstellen und rief im Reisebüro an, um nach einer neuen Reisemöglichkeit zu suchen.

Dort die nächste Überraschung: Die Fluggesellschaft, die Familie Stephan nicht mitnehmen wollte, hatte die drei Leverkusener schlichtweg eigenständig auf morgen, Sonntag, umgebucht. "Das war gar nicht so abgesprochen. Ich hatte mich am Flughafen nur nach weiteren Flugterminen erkundigt", berichtet die Kosmetikstudiobesitzerin. "Da hieß es, im Falle einer Umbuchung fiele dann eine Umbuchungsgebühr von 1150 Euro an."

Zur Erinnerung: Simone Stephan will 700 Euro Spendengeld nach Afrika bringen. Dafür nimmt sie Flugkosten von 2000 Euro für die Familie auf sich. Nun sollte sie noch drauflegen. Macht 3150 Euro für den Transport von 700 Euro.

Gebühr von der Gebühr von der

Die Fluggesellschaft habe zuletzt durch Nachhaken vom Reisebüro auf die in der Umbuchungsgebühr enthaltenen Bearbeitungsgebühren verzichtet. "Zahlen muss ich jetzt rund 770 Euro", sagt Simone Stephan, die hofft, morgen geht am Düsseldorfer Flughafen dann endlich alles glatt mit dem 2770-Euro-Flug, um 700 Euro Spende mit Naya und Lauro persönlich zu überbringen.

P.S.: Die Klassenkameraden der beiden Kinder haben am Mittwoch nicht schlecht gestaunt, als Naya und Lauro, die längst in Afrika gewähnt wurden, plötzlich wieder im Schulunterricht vor den Ferien auftauchten.

Quelle: RP
 
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