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| 20.48 Uhr

Leverkusen
Forscher warnt vor Gesetzeslücke bei Deponie an A1

Das ist die A1-Brücke bei Leverkusen
Das ist die A1-Brücke bei Leverkusen FOTO: US
Leverkusen. Der Neubau der maroden Leverkusener Rheinbrücke kann wie geplant in Angriff genommen werden - und damit wird auch die Deponie Dhünnaue geöffnet werden. Doch offenbar fehlen Vorschriften, wie die Deponie später wieder zu schließen ist. Von Peter Clement

Irgendwann in den kommenden zwei Monaten werden es die Planer des Landesbetriebs Straßen.NRW noch schriftlich bekommen: Mit ihrem Urteil zur A1-Rheinbrücke haben die Leipziger Bundesverwaltungsrichter der Behörde freie Hand beim Bau der neuen, achtspurigen Querung gewährt - und damit auch beim Öffnen der Deponie Dhünnaue, natürlich immer im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben.

"Keine Vorschriften"

Doch was ist, wenn die Deponie wieder geschlossen wird? "Für einen solchen Fall gibt es aktuell tatsächlich überhaupt keine gesetzlichen Vorschriften", sagt der renommierte Physiker und Stauforscher Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg/Essen. Wie wird der Bereich verschlossen? Was darf an der Oberfläche zukünftig gepflanzt oder gebaut werden? All das geschehe sozusagen ohne Grundlage, denn: "Die Öffnung der Leverkusener Dhünnaue ist bundesweit ohne Vorbild."

A1: So laufen die Probebohrungen für neue Rheinbrücke FOTO: Miserius, Uwe

Eine mögliche Auswirkung hat Hans-Max Deutschle schon einmal vorempfunden - und sie macht dem ehemaligen Leiter des Leverkusener Grünflächenamtes und "Vater des Neulandparks" schwer zu schaffen, wie er gestern sagte: "Nirgendwo ist festgelegt, ob und in welcher Form Ausgleichs-Pflanzungen erfolgen müssen." Deutschle hat die Sorge, dass Leverkusens beliebtester Freizeitpark, gewissermaßen sein Lebenswerk, künftig nie mehr sein wird, was er einmal war.

"Winzige Ausschnitte"

So liefen die Schweißarbeiten an der Leverkusener Brücke FOTO: Straßen.NRW

Profitieren werde am Ende wohl nur Bayer: einerseits dadurch, dass das Risiko der Deponie ab sofort der Steuerzahler trage, andererseits durch die Verbrennung des abtransportierten Mülls. "Ein Kubikmeter", sagt Deutschle, "bringt bei der Verbrennung rund 300 Euro".

Schreckenberg zeigte sich am Donnerstag fast amüsiert über die bisherigen Probebohrungen von Straßen. NRW im Altlast-Bereich: Als statistischer Physiker sei er schon sehr verwundert, wie die Landesbehörde allen Ernstes behaupten könne, von den "winzigen Ausschnitten", die sie bei den Bohrungen untersucht habe, "auf die gesamte Deponie schließen zu können".

Auch die Debatte um die Frage Tunnel oder Stelze geht weiter: Während Leverkusens CDU-Ratsfraktionschef Thomas Eimermacher gestern betonte, mit der Entscheidung sei klar, "dass es keinen langen Tunnel unter dem Rhein geben wird", war Straßen.NRW bemüht, Behauptungen zurückzuweisen, man habe sich von allen Tunnel-Varianten verabschiedet. Auf der Internetseite der Behörde heißt es, diese würden weiter verfolgt, ohne sich abschließend festgelegt zu haben". Der Bau eines Tunnels im Folgeabschnitt sei "unter allen Umständen technisch möglich".

Langer Tunnel?

Laut Schreckenberg ist ein langer Tunnel notwendig und politisch noch nicht tot: Denn auf den Autobahnen rund um die Leverkusener Brücke, die für Lkw gesperrt ist, gebe es jede Menge weitere marode Brücken - sei es nun die Rheinbrücke Neuenkamp an der A 40 bei Duisburg oder die Kölner Rheinbrücken. Weil sie alle überlastet sind, befürchtet der Stauexperte auf Jahre bedeutende Zunahmen an Staus.

Daran ändere auch das jetzige Urteil nichts, denn schneller als ein Tunnel sei auch ein Brückenbau nicht. Schreckenberg:: "Ich glaube nicht, dass eine Öffnung der Deponie ohne erhebliche Verzögerungen vonstatten gehen wird."

Quelle: RP
 
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