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Leverkusen
Frauenhaus muss wegen Überbelegung abweisen

Seit drei Monaten weist der Frauen-Notruf Leverkusen in einem Flyer auch im Klinikum und in den katholischen Krankenhäusern vor Ort auf seine "anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftaten" hin.

"Und in dieser Zeit hat es mehr Fälle gegeben, die sich gemeldet haben, als sonst in einem ganzen Jahr", verdeutlicht Gleichstellungsbeauftragte Sabine Rusch-Witthohn die Wichtigkeit, solche Dienste publik zu machen. Einen ähnlich guten Effekt hätten die in allen Wupsi-Bussen verteilten Informationszettel im Vorjahr gehabt. Auf diesen Blättern sind die Kontakte für das Frauenhaus und die Beratungsstellen vermerkt.

Die Frauenberatungsstelle bekommt inzwischen nach jedem bei der Polizei anhängigen Fall von Gewalt gegen Frauen ein Informationsfax, um für die Betroffenen einen Erstkontakt zu ermöglichen. Die Resonanz sei sehr gut: 100 Faxe habe die Polizei im vergangenen Jahr an die Beratungsstelle geschickt; 90 Frauen hätten sich daraufhin beraten lassen. Dabei sei es oft zunächst um die Frage einer Verlängerung des zunächst zehntägigen Betretungsverbotes der Familienwohnung gegangen.

Es sei zwar eine gesetzliche Erleichterung, dass bei häuslicher Gewalt Frauen und Kinder in der Regel in der Wohnung bleiben könnten. Das mache das Frauenhaus aber keineswegs ersetzbar. Es sei stets voll, und es seien dort auch immer Kinder, die unter der Gewalt in der Beziehung ihrer Eltern schwer zu leiden hätten, verdeutlicht Rusch-Witthohn.

Dabei ziehe sich Gewalt durch alle Gesellschaftsschichten: "Es gibt auch wohlsituierte Manager, die ihre Frauen schlagen", weiß die Leiterin des Frauenbüros. Nur eines von vielen Indizien ist davon die Statistik des Leverkusener Frauenhauses: Dort fanden im Jahr 2013 insgesamt 72 Frauen und 71 Kinder Unterschlupf; im vergangenen Jahr waren es 50 Frauen und 35 Kinder. Wegen Überbelegung mussten aber immer wieder Frauen und Kinder abgewiesen werden. So mussten in beiden Jahren insgesamt 244 Frauen an andere Einrichtungen in Nachbarstädten weiterverwiesen werden. Von den aufgenommenen Frauen schaffte es der größte Teil, nach einer bis vier Wochen eine neue Unterbringungsmöglichkeit zu finden; nur wenige blieben bis zu einem Jahr im Frauenhaus, bevor sie eine eigene Bleibe für sich und ihre Kinder fanden.

(gt)
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