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Leverkusen
Friedrich Middelhauve - Verleger, Politiker, Schöngeist

Leverkusen: Friedrich Middelhauve - Verleger, Politiker, Schöngeist
Bertha und Friedrich Middelhauve ganz privat bei der Hochzeit ihres Sohnes. FOTO: Nachlass Familie Middelhauve
Leverkusen. Vor 50 Jahren ist Friedrich Middelhauve gestorben - FDP-Gründungsvater, Verleger von Heinrich Böll, Familienmensch. Tochter Mechthild Ruf erinnert sich. Von Monika Klein

Bei seinen Kritiken, die Dr. Friedrich Middelhauve in den 1920er Jahren über Vorstellungen des Bühnenvolksbundes schrieb, legte er ziemlich hohe Maßstäbe an. Zu hart, fand die Schriftführerin des Opladener Vereins, denn immerhin handele es sich um Laiendarbietungen. Sie protestierte, und es kam zur Aussprache mit dem Kritiker. Die Klärung war erfolgreich und endete schließlich mit der Hochzeit von Bertha und Friedrich Middelhauve. "Mutter konnte sich immer gut wehren", kommentiert Mechthild Ruf die Kennenlern-Geschichte ihrer Eltern. Sie ist 1937 als Nachzügler geboren, als die Mutter schon 45 Jahre alt war. Sowohl die acht Jahre ältere Schwester Gertraud, die Vaters Verlag weitergeführt hat, als auch der 1931 geborene Bruder Friedrich, der Vaters Druckerei übernahm, sind mittlerweile verstorben.

Als Nesthäkchen hatte sie ein besonders enges Verhältnis zu den Eltern. Das schreibt sie nicht nur dem Altersabstand zu, sondern auch der Tatsache, dass sie keine Probleme bot: "Keine Firma, keine Probleme." Als einzige trat sie nämlich in Mutters Fußstapfen und wurde Lehrerin. Beim Schulmusik-Studium in Freiburg hat sie ihren Ehemann kennengelernt, mit dem sie in einem kleinen Dorf in Hürtgenwald bei Düren wohnt.

Die Musikalität hat sie vom Vater geerbt, dem Literaturwissenschaftler und Kunsthistoriker, der ausgezeichnet Klavier spielte. "Jedes Jahr gingen wir in die Matthäuspassion", in die Bayer-Konzerte sowieso. Und Anfang der 1950er, als der FDP-Mitbegründer Middelhauve NRW-Landtagsabgeordneter und stellvertretender Ministerpräsident war, ging man ins Düsseldorfer Schauspielhaus. "Das war die Gründgens-Zeit", erzählt Ruf. Man wanderte jeden Sonntag, und der Vater rezitierte gerne Gedichte an atmosphärisch passender Stelle. In der Familie wurde viel Hausmusik gemacht und man sang vierstimmig Bach-Choräle, erzählt Mechthild Ruf.

Außerdem wurden Autorenlesungen veranstaltet, auch mit zeitgenössischer Literatur, die der Vater sehr genau verfolgte. Unter anderem verlegt er ja den noch jungen Heinrich Böll. Als "Idealist und Schöngeist" charakterisiert sie ihren Vater, auf den sie sich in diesem Gespräch in der Villa Römer konzentrieren möchte. Anlass ist dessen 60. Todestag. Er starb am 14. Juli 1966 nach einem langen Krebsleiden in Bad Mergentheim. Das war eine schwere Zeit, denkt Mechthild Ruf zurück. Die Mutter hatte sich dort in einer Pension eingemietet, saß jeden Tag beim Vater und las ihm Goethe oder die neue Picasso-Biografie vor und notierte die Lebens-Erinnerungen Dr. Friedrich Middelhauves, die der Sohn später für die Kinder druckte.

Den behandelnden Arzt der Mergentheimer Leberklinik, Prof. Leo Wannagat, bezeichnet Ruf als einen der drei besten Freunde des Vaters. "Er hat ihn in unfassbarer Weise betreut." Die anderen beiden waren Paul Schaarf, Mitabiturient in Ohligs, und Walter Pott, der Middelhauve in den Anfängen der Druckerei auch finanziell unterstützte. "Mein Vater hat sich in seinem ganzen Leben nur mit drei Leuten geduzt", sagt sie. Tatsächlich waren es wohl einige mehr, aber sie meint damit, dass er ein strenger, ernsthafter Mensch war. Jedenfalls wenn es um das Geschäft und die politische Arbeit ging. Zu Hause wurde auch viel gelacht, und Mechthild Ruf erinnert sich, dass der Vater am Radio Büttenreden verfolgte. Zu denen, die im bescheidenen Haus Am Neuenhof ein- und ausgingen, gehörte der Architekt und Nachbar Wilhelm Fähler, der sowohl die erste Middelhauve-Buchhandlung am alten Leverkusener Rathaus baute als auch das Geschäftshaus an der Kölner Straße, an dem noch der Namenszug hängt.

Mehr über Middelhauve und die Verlagsgeschichte erzählt Hans-Peter Büttgenbach am Dienstag, 13. September, 19 Uhr in der Villa Römer (Haus-Vorster-Str. 6). Der Vortrag ist eine Veranstaltung des Bergischen Geschichtsvereins zum Schwerpunkt Mediengeschichte an Rhein und Wupper. Eintritt frei.

Quelle: RP
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