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Leverkusen
Friedrich Middelhauve - vielseitiger Unternehmer und Politiker

Als Gründer eines "vertikalen" Unternehmens war Friedrich Middelhauve eine Ausnahmeerscheinung. Er war Papierhersteller, Verleger, Druckerei-Inhaber und Buchhändler in einer Person. Als Leiter eines Mittelstandsbetriebes war er selbst alleiniger Entscheider. Das hätte er auch gerne auf die Politik übertragen, was allerdings nicht gelungen sei. Er war parlamentsskeptisch und Befürworter eines präsidialen Systems nach US-Vorbild. So beschrieb Hans-Peter Büttgenbach den Mitbegründer der FDP und stellvertretenden NRW-Ministerpräsidenten in seinem Vortrag "Der Politiker Dr. Friedrich Middelhauve und die Verlage Middelhauves". Von Monika Klein

Die Veranstaltung des Bergischen Geschichtsvereins in der Villa Römer war fast ein Familientreffen. Unter anderem waren die jüngste Tochter des Verlegers, Mechthild Ruf, die Schwiegertochter und Witwe des Sohnes Friedrich Middelhauve sowie deren Sohn Martin Middelhauve dabei. Er hatte als ehemaliger Vom-Stein-Schüler den Kontakt hergestellt zum pensionierten Geschichtslehrer und BGV-Vorsitzenden Reinhold Braun, der inzwischen den Familiennachlass sichten konnte. Umfangreiches Material jedenfalls, mehr noch, als Büttgenbach bereits für seinen Vortrag zur Verfügung hatte. Unter den Zuhörern waren auch vier langjährige Mitarbeiterinnen der Buchhandlung Middelhauve, die sich gewünscht hätten, an diesem Abend nicht nur viel Biografisches über den Unternehmer und Politiker zu erfahren, sondern auch etwas über den Menschen. Das lieferte Reinhold Braun, der sich lange mit Mechthild Ruf unterhalten hat, nach.

Er beschrieb den promovierten Literaturwissenschaftler Middelhauve als besonnenen Menschen, als Feingeist und Ästhet, der Gedichte rezitierte und sowohl in seiner Buchhandlung als auch im Privathaus Lesungen veranstaltete, der ausgezeichnet Klavier spielte und mit seiner Familie Hausmusik machte. Die Mitarbeiterinnen erinnerten sich, dass Bertha Middelhauve bis zu ihrem Tod 1988 von Zeit zu Zeit das Geschäft besuchte. "Es war klassisch, dass man mit ihr in die Buchhandlung ging", sagte Enkel Martin Middelhauve. Er habe an diesem Abend viel Neues über den Großvater erfahren.

Und er stellte einen Bruch in der Biografie fest, den sich weder er noch die Historiker erklären mochten. Wie konnte ein Mensch, der so intelligent, gebildet, umsichtig und gegen die Nazis war, die junge FDP für Altnazis öffnen? Es war wohl ein strategisches Manöver, glaubt Büttgenbach, denn "man kann alle Schritte taktisch begründen". Mit der Öffnung des rechten Flügels habe man Kriegsheimkehrer und Altnazis wie den "Naumann-Kreis" anwerben wollen. Das machte auch die kommunistische Partei, ergänzte Braun. Die Angst vor den Russen sei Ende der 40er Jahre größer gewesen als die vor der Entnazifizierung.

Quelle: RP
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