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Leverkusen
Frust und Freude an der Bahnhofsbrücke

Eröffnung der neuen Bahnhofsbrücke Opladen
Leverkusen. Stadt gab gestern die neue Gleisüberquerung für die Nutzung frei - Für Gehbehinderte gibt es noch Hindernisse. Von Ulrich Schütz

Pure Freude und tiefer Frust lagen gestern bei der Eröffnung der Bahnhofsbrücke dicht beieinander. Oberbürgermeister Uwe Richrath bezeichnete die Brücke als wichtige Verbindung zwischen Opladen und Quettingen. "Es ist ein Schmuckstück, bewahren sie es gut auf", ergänzte Dr. Norbert Reinkober, Leverkusener und Geschäftsführer des "Nahverkehr Rheinland" (NVR), der die Brücke und die Modernisierung des Bahnhofs mit 1,4 Millionen Euro mitfinanziert.

Historie Die Idee für dieses mächtige, rund 106 Meter lange und bis zu acht Meter breite Bauteil wurde vor 15 Jahren auf einer Perspektiven-Werkstatt geboren. Viele Bürger beteiligten sich im Jahr 2000 an der Ideenwerkstatt. Der Glaube allerdings, dass daraus Realität wird, der fehlte vielen noch. Auch konnte sich kaum jemand vorstellen, dass auf dem Gelände der ehemaligen Bahnwerkstätten mal ein neuer, charaktervoller Stadtteil entstehen würde.

Tunnelfachleute (v.l.).: Dr. Norbert Reinkober, Uwe Richrath, Paul Hebbel und Ernst Küchler verschlossen gestern die Bahnunterführung. In etwa sechs Jahren will die Bahn den ehemaligen Durchgang ganz verfüllen. FOTO: Ralph Matzerath

Lob Gestern wurde also mit der Brückeneröffnung der besonders bedeutende Schritt vollzogen. "Ich finde diese Brücke toll", lobte der passionierte Radler Gerwald Athenstädt. Der 74-Jährige rollte als erster Radfahrer über die "angenehm breite" Brücke. Endlich sei die Zeit des dunklen und gefährlichen Tunnels unter den Bahngleisen vorbei.

Hindernisse An dem Brückenbauwerk klebt allerdings weiter das Pech. Erst musste ein großes Teilstück wieder von den Pfeilern abgenommen werden, weil es mit falschem Material geschweißt worden und so in ein tonnenschweres Stück Schrott verwandelt worden war. Dann entdeckten Bahnexperten, dass zwei Rolltreppen zu nah an den Oberleitungen stehen und mit Schutzwänden nachgerüstet werden müssen. Und jetzt, quasi Stunden vor der Eröffnung, erkrankte auch noch der Aufzugs-TÜV-Prüfer. Folge: Die Aufzüge zu den Gleisen 1 und 2 bleiben bis zur Abnahme im Januar außer Betrieb.

Dieser Rollerfahrer genoss gestern langsam, aber verbotenerweise die Brücke als Abkürzung. FOTO: Schütz, Ulrich (us)

Ärger Damit ist der Bahnsteig 2 für Gehbehinderte oder Rollstuhlfahrer aus Richtung Opladen derzeit faktisch kaum erreichbar. Immerhin sind zwischen Brücke und Bahnsteigen rund 50 Stufen zu überwinden. Andersrum geht es zumindest für Gehbehinderte etwas besser: Nach oben fahren die Rolltreppen schon. Aus Richtung Opladen geht es hoch auf die Brücke etwas leichter. Eilige müssen zwar auch eine lange Brückentreppe erklimmen, wer mehr Zeit hat, kann aber den an dieser Stelle funktionierenden Aufzug oder die lange Rampe nutzen.

Verwirrung Gleichzeitig mit der Öffnung der Brücke wurden die Unterführung zwischen Gleisen im alten Bahnhof und der Tunnel gesperrt. Viele Nutzer waren darauf nicht vorbereitet, liefen leicht ratslos durch die Gegend. Eine effektive Beschilderung fehlte gestern.

Gerwald Athenstädt (74) war der erste Radler auf der Brücke, die täglich von 10.000 Nutzern gequert wird. FOTO: Schütz, Ulrich (us)

Zugänge Wer zum Gleis 2 will, muss jetzt immer über die Brücke. Für Gleis 1 bleibt es zunächst bei der Zugangsregelung. Laufen aber alle Aufzüge, dann ist auch Gleis 1 nur noch über die Brücke erreichbar.

Quelle: RP
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