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Leverkusen
Für und Wider zur Monsanto-Übernahme

Leverkusen: Für und Wider zur Monsanto-Übernahme
Die Organisation Campact hatte im Juni in Leverkusen mit Riesenplakaten gegen die Übernahme geworben. FOTO: UM
Leverkusen. Bayer kauft Monsanto: Die Nachricht von Mitte der Woche wirkt noch nach. Es hagelt Kritik und Unverständnis auch aus der Stadt. Es gibt aber auch positive Stimmen. Von Ludmilla Hauser und Dominik Bohnen

Die Tinte unter dem Fusionsvertrag war noch nicht trocken, da hagelte es satt Kritik zur Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto durch den Bayer-Konzern. "Der Worst Case ist eingetreten", der schlimmste Fall ist eingetreten, ließ die Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) nach Bekanntwerden der Akquise für 66 Milliarden US-Dollar (59 Milliarden Euro) verlauten. Und kündigte Protest an - etwa auf der nächsten Aktionärsversammlung im April. Auch in der Überlegung: Ein "Marsch gegen Bayer" mit dem Ziel Leverkusen. Toni Michelmann von der CBG betont: "Es darf keinesfalls dazu kommen, dass Bayer die Akquisition von der Steuer absetzt und Standort-Städte wie Leverkusen so noch stärker in die Miesen geraten. Etwaige Versuche des Unternehmens, die mit dem Deal verbundenen Schulden durch Arbeitsplatzvernichtungen oder Rationalisierungsmaßnahmen abzubauen, gilt es ebenfalls von vornherein auszuschließen."

Das sehen die Leverkusener Grünen ähnlich: "Ein schwarzer Tag für den Verbraucherschutz, den Tierschutz und die Stadt", fasst die Partei in einer Stellungnahme zusammen. "Monsanto steht wie kein anderes Unternehmen für eine fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft. Diese Industrialisierung zerstört die Natur und gefährdet Menschen und Tierwelt. Wird diese Fusion genehmigt, könnte Bayer zudem fast im Alleingang entscheiden, was auf unseren Feldern wächst und somit auf unseren Tellern landet." Der Weg von Monsanto sie gepflastert mit atemberaubenden Skandalen. "Konkurrenten wurden brachial verdrängt, alternative Innovationen verhindert und Landwirte in die Abhängigkeit getrieben." Und auch Bayer muss mit der Kritik der Grünen leben, dass der Konzern der Stadt weiterhin systematisch die dringend erforderlichen Gewerbesteuereinnahmen entziehe - "wenn denn im Zuge der Fusion aufgrund des Investitionsvolumens überhaupt noch Steuern anfallen. Schließlich wird sich zeigen, in welchem Umfang auch in Leverkusen weitere Arbeitsplatzverluste durch die Verschmelzung der Unternehmen entstehen." Arbeitsabbau beziehungsweise, dass sich Bayer nach und nach aus Leverkusen zurückziehen könnte, befürchtet Dr. Frank Obermaier, Chef der Wirtschaftsförderung, der die Übernahme ansonsten nicht kommentiert, nicht: "Als Bayer Schering übernahm, haben auch alle gedacht, Bayer geht nach Berlin. Der Konzern ist hier geblieben." Ähnlich, so schätzt Obermaier, werde es nun möglicherweise auch sein.

Für Kopfschütteln sorgt die Übernahme bei Leverkusener Karl-Josef Nett: "Ich kann das nicht verstehen. Ich finde das furchtbar, ganz schlimm", kommentiert er, viele Mittel von Monsanto seien noch gar nicht vollständig untersucht, sagt er in einer RP-Blitzumfrage. "Und andere Anbieter auf dem Markt haben nun ja im Grunde keine Chance mehr."

Ein 53-jähriger Lützenkirchener moniert an dem Geschäft eben den hohen Preis, den Bayer bereit sei zu zahlen: "Aber für den Breitensport hat der Konzern kein Geld mehr, da müssen ehemalige Tochterunternehmen als Sponsor einspringen. Das kann keiner nachvollziehen."

Aber es gibt auch positive Stimme zur Übernahme: Eine 52-jährige Steibüchelerin bewertete denn Deal sehr positiv, weil Bayer sich auf seine Kernkompetenzen berufe und nun die Nummer Eins im Pflanzensektor sei. Dass Bayer nun auch auf dem amerikanischen Markt stärker Fuß fasse, sieht die 52-Jährige ebenfalls als gut an. "Allerdings muss man auf die immensen Schadenersatz-Forderungen auf dem amerikanischen Markt achten", rät die Steinbüchelerin. "Außerdem könnte das im Verdacht Krebs zu erregende Glyphosat Bayer einen Image Schaden einhandeln."

Auch der Leverkusener Dr. Paul Weber bewertet die Fusion erstmal als positiv: "Es ist gut, dass Bayer als Marktführer daraus hervorgeht. Das stärkt den Konzern. Und wenn man so etwas schon macht, dann muss man oben einsteigen und nicht klein-klein." Etwas Bauchschmerzen macht Weber das hohe Fremdkapital an dem Deal, also die vielen Milliarden, die über die Banken finanziert werden sollen. "Andererseits ist Bayer mit dem Thrombosehemmer Xarelto und anderen Arzneien gut aufgestellt." Dadurch komme Geld in die Kasse. Das werde Bayer wohl berechnet haben.

Quelle: RP
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