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Leverkusen
Furioses Finale der Ära Meszelinksy

Leverkusen. Damit hatte selbst Eckhard Meszelinsky nicht gerechnet, obwohl es seine Aufgabe als Manager der Leverkusener Jazztage ist, alles Mögliche vorherzusehen. Am Sonntag machte er seine letzte Ansage, das Trio "The Bad Plus" hatte die Ehre. Seine Mitarbeiter standen hinter ihm. Sie hatten ein Transparent vorbereitet: 20 Jahre Jazztage. Von Siegfried Grass

Ja, tatsächlich: Der 63-Jährige, der vor 20 Jahren das Festival übernommen hat, das Leverkusen - zumindest in der Musikszene - zu einem erstklassigen internationalen Ruf verholfen hat, hört auf. Eine Ära geht zu Ende. Meszelinsky übergibt nach dreijähriger Vorbereitung "das Geschäft" an Fabian Stiens. Bei dem rührigen Abschied, der ihm auf der Bühne bereitet wurde, wurde selbst dem Standhaften, der immer wie der ruhende Pol der manchmal auch hektischen Jazztage wirkte, warm ums Herz: "Ja, ich gebe zu, das ist schon irgendwie komisch."

Es ist vor allem die Leidenschaft, mit der er 20 Jahre lang die Leverkusener Jazztage am Leben erhalten hat. Es war kein einfacher Start, als meist immer mehr ausgegeben als eingenommen wurde. Vor allem das erste Jahr war "der Horror": "Ich hatte null Ahnung. Ich musste alles auf eine Karte setzen. Hätte ich damals gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich die Jazztage nicht übernommen." Aus heutiger Sicht: "Es war eine tolle Zeit."

So gibt es viele Erinnerungen, auch die an eine große verpasste Chance. Als Meszelinsky nämlich von der Plattenfirma EMI zu einer Promotion-Veranstaltung der damals noch unbekannten Norah Jones eingeladen wurde, hätte er sie für eine Gage von 3500 Euro verpflichten könnte. Hatte er auch, aber die zweite für den Abend verpflichtete Sängerin, Dianne Reeves, wollte es nicht. "Das wäre das Geschäft meines Lebens geworden", trauert Meszelinsky der verpassten Chance nach.

Die 36. Jazztage, so viel wusste der Manager bereits am letzten Abend zu resümieren, war eine Rekordveranstaltung: elf Tage Musik, vier ausverkaufte Konzerte. Es kamen deutlich mehr als 20.000 Zuschauer. Aber es wurden noch nie so hohe Gagen gezahlt. Was manchmal einfach notwendig ist, wenn Stars wie Zaz mit 26 oder Jan Delay mit 20 Leuten anreisen. Aber alle waren zufrieden, vor allem der Westdeutsche Rundfunk, der die Konzerte an fünf Tagen aufzeichnete.

Wie geht's weiter? Das plant nun Fabian Stiens. Aber dies verriet Meszelinsky bereits: "Wir haben sehr gute Chancen, dass Pat Metheny im nächsten Jahr kommt." Auch hofft er, dass es mit dem neuen Oberbürgermeister mehr Unterstützung von der Stadt geben wird ("Ich hatte ein langes und interessantes Gespräch mit ihm").

Meszelinsky will erst mal für drei Tage im Sauerland untertauchen. Am Donnerstag will er sich die ausverkaufte Vorstellung "Milchbrötchenrechnung" des Komikers Johann König im Scala ansehen.

Quelle: RP
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