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Leverkusen
Gefangene denken übers Leben nach

Leverkusen: Gefangene denken übers Leben nach
Die Landrat-Lucas-Schüler greifen die Flüchtlingsthematik auf und bieten teils poetische Dialoge. FOTO: Ralph Matzerath
Leverkusen. Tiere philosophieren in der Fabel "Wenn Farben zerfließen ..." über Heimat, Verlust und Freundschaft. Von Monika Klein

"Klappe halten - denken - Klappe öffnen!" Das ist der Wahlspruch des brummigen Bären. Im Laufe des Theaterstückes wird er zum geflügelten Wort, das die Zuschauer garantiert so schnell nicht wieder vergessen. Und es ist ja nicht der schlechteste Rat, zu dem noch die ein oder andere Weisheit der unterschiedlichen Tiere kommt, die eigentlich nur eines gemeinsam haben: Sie sind geflüchtet und nun gefangen in einem verregneten Auffanglager, wo die Farben der Erinnerung zerfließen.

Diese Tiere haben sehr menschliche Züge, werden dargestellt von Fünft- und Sechstklässlern der Theater-AG am Landrat-Lucas-Gymnasium, die sich auf ein Minimum an Verkleidung beschränken. Aber im Laufe des Schuljahres hat jeder doch einige typische Charaktereigenschaften oder Bewegungsmuster für seine Tierrolle herausgearbeitet. Am Montagabend feierten sie Premiere auf der kleinen Bühne im evangelischen Gemeindehaus Bergisch Neukirchen.

So poetisch wie der Titel "Wenn Farben zerfließen ..." sind auch manche Dialoge der Figuren, die - in einer misslichen Situation gefangen - über Heimat, Verlust, Freundschaft und den richtigen Platz im Leben nachdenken. Sie erzählen sich gegenseitig ihre Geschichten, nicht nur mit Worten, sondern vor allem mit den Ausdrucksmöglichkeiten des Tanzes.

Die passende Musik lässt einen Pinguin in winzigen Schritten über die Bühne tippeln, und bald tun es ihm andere Tiere nach. "Tanzen bis der Boden kocht", ist das Rezept seiner Stammesgenossen gegen die Kälte in seinem Land.

Zum Soundtrack von "Spiel mir das Lied vom Tod" erhebt sich geschmeidig die Hyäne, um ihre Umgebung nach Essbarem zu durchsuchen, dabei schleicht sie auch durch die Zuschauerreihen. Die Übergänge zwischen Spiel, Dialog, und Tanz sind fließend. Die meisten Weisheiten gibt eine uralte Schildkröte von sich. Eine Leiter und Umzugskartons als einzige Requisiten vermitteln, was sich am Ende als Realität erweist. Die Tiere sind nicht wirklich angekommen, sondern befinden sich in einer Übergangsstation, die Zukunft ist ungewiss.

Lehrer Marco Isermann, der bei der Aufführung am Regiepult sitzt, und seine Kollegin Anjeli Nösse, die vor allem für die Tanzchoreografien verantwortlich zeichnet, haben das Stück extra für diese Schülergruppe geschrieben und mit ihnen zusammen eine szenische Vorstellung daraus entwickelt. Bewusst haben sie die Flüchtlingsthematik auf Tiere übertragen. Das ließ ihnen mehr Freiheit und die Möglichkeit eines poetischeren Zugangs zu einem ernsten und harten Thema. Die Elf- bis Zwölfjährigen jedenfalls haben sich die Figuren mit einer Freude erobert, die sich auf das Publikum überträgt.

Heute Abend, 28. Juni, um 19.30 Uhr findet eine weitere Aufführung im evangelischen Gemeindehaus Bergisch Neukirchen (Burscheider Straße 69) statt. Ein drittes Mal spielt die Gruppe am Dienstag, 4. Juli, um 19.30 Uhr im Erholungshaus als Beitrag zu den Schul- und Jugendtheatertagen 2017.

Quelle: RP
 
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