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"Germany's Next Topmodel"
ProSieben schließt Pfarrer von Facebook-Seite aus

Germany's Next Topmodel: ProSieben schließt Pfarrer bei Facebook aus
Pfarrer Martin Weidner kritisiert die Sendung von ProSieben. FOTO: UM
Leverkusen. Pfarrer Martin Weidner aus Leverkusen hatte die Show "Germany's Next Topmodel" wohl zu deftig kritisiert. Seine Internet-Kommentare wurden vom TV-Sender ProSieben gelöscht. Von Ludmilla Hauser

Weidner ist ein leidenschaftlicher Radio-Hörer. Und einer, der sich einmischt. "Eine meiner Schwächen ist mangelnde Spontaneität", gesteht der evangelische Geistliche. Deswegen habe er vor Jahren beschlossen, daran müsse er arbeiten und tut dies mit engagierten Äußerungen in Radiosendungen. "Ich bin vermutlich der meistgesendete Hörer der vergangenen Jahre bei WDR 5." Im Programm des Senders hörte er auch über eine Studie zu Magersucht bei Mädchen. Diese hatten darin geäußert, sie seien auch von Heidi Klums TV-Show "Germany's Next Topmodel" (GNTM) beeinflusst worden.

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Weidner klickte im Internet auf die GNTM-Facebookseite, postete kritische Kommentare und Links zur Studie. "Ich habe meine Kollegen und das Presbyterium gebeten, sich zu beteiligen. Aber nur einer hat sich zurückgemeldet." Weidner ließ sich nicht irritieren und machte weiter. "Das ist eine eigene Welt auf dieser Seite, da gibt es Millionen Beiträge zu den Kandidatinnen, aber keine gesunde Distanz zum Thema, die ist offenbar nicht vorgesehen", argumentiert er. "Das birgt die Gefahr, dass man diese Scheinwelt für ernst nimmt, und dünne Frauen und dieser oder jener ,Muss'-Haarschnitt der Maßstab sind." Die Botschaft, die Weidner auf der Seite der Sendung auszumachen glaubt: Nimm Dir das zum Vorbild. Genau das sieht der Pfarrer aus Opladen kritisch.

Am Tag des kleinen Finales Ende Mai - die Live-Show war nach einer Bombendrohung abgebrochen worden - ließ Weidner auf der Seite "ziemlich kritische Posts, vielleicht etwas zu destruktive" los. Tenor: Der Sender verdiene an der Show Millionen und gehe dabei im übertragenen Sinne über Leichen. Weidner rechnete mit einem "Shitstorm" gegen Pro Sieben. Stattdessen passierte dies: "Ich war an dem Abend noch zu einem Termin raus. Als ich wiederkam, war ich für Kommentare auf der Seite gesperrt und meine Posts waren gelöscht." ProSieben hatte den Pfarrer rausgeschmissen.

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Eine Sprecherin des Senders erläuterte: "Generell ist jede Meinungsäußerung auf unseren Facebook-Seiten erlaubt, natürlich auch kritische. Allerdings müssen sich die Kommentatoren an die Netikette halten." Zur Erklärung: Netikette bezeichnet das gute Benehmen im Internet. "Wenn die Kommentatoren mit ihren Äußerungen extrem unter die Gürtellinie schlagen, sich im Ton vergreifen oder beleidigen, nehmen wir die Kommentare raus."

Weidner bleibt bei seiner Kritik: "Wie beim Fußball, wo sich Vereine um Fans kümmern, müsste der Sender dafür sorgen, dass keine Gefährdung von der Show ausgeht und die Teenies eine Distanz zum Thema entwickeln. So aber zieht sich der Sender aus der Verantwortung."

Derweil können andere Nutzer der GNTM-Seite kaum die nächste Staffel der Show erwarten - eine Nutzerin: "Wann stehen endlich die neuen Casting-Termine fest?"

Quelle: RP
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