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Leverkusen
Geselligkeit Germania verjüngt Tradition

Leverkusen: Geselligkeit Germania verjüngt Tradition
1950er Jahre: Zum Schürreskarrenrennen ließen sich die Teilnehmer schon immer viel einfallen. FOTO: privat
Leverkusen. 135 Jahre alt wird der Geselligkeitsverein Rheindorf. Die Männerschar hat 39 Mitglieder zwischen 18 und 85 Jahren. Von Gundhild Tillmanns

Gesellig sind sie immer noch - schon seit 135 Jahren, wenn auch der Name des Vereins heute etwas angestaubt klingen mag: "Geselligkeitsverein Germania Rheindorf." Wie frisch und munter die geselligen Rheindorfer noch immer sind, wollen sie vom 7. bis 10. August mit ihrer 135-Jahr-Feier zur "Rheindorfer Spätkirmes" unter Beweis stellen. Vorsitzender Frank Albertz kann allerdings nur ein vergleichsweise kleines Häuflein von aktuell 39 Vereinsmitgliedern um sich scharen, aber er freut sich, dass zwei neue jüngere Leute dazu gekommen sind: "Wir haben jetzt Mitglieder von 18 bis 85", sagt er. Und die helfen auch fleißig bei der Vorbereitung der großen Festivität mit Rheindorfer Veedels-Party, Festzug, Schürreskarrenrennen und Krönung des neuen Hahnekönigspaares.

1921: Derr Jünglingsverein wird umbenannt in Junggesellenverein Germania. Darauf prosten sich die Herren zu. FOTO: privat

In Rheindorf gibt es eine Besonderheit: Wo andernorts eher abfällig von einer "Montagsproduktion" die Rede wäre, da werden die Montagskönige oder sogar ein Montagspapst beim Geselligkeitsverein zu Recht gefeiert. Im vorigen Jahr schlug Ingo Fischer den Hahn am Kirmesmontag und durfte sich nun bis zum Ende seiner Amtszeit sogar "Montagspapst" nennen. Das Königspaar Uwe Simon und Hiltrud Pettke-Simon und Kinderkönig Christian Kramer werden am Festsamstag ihre Ämter an die dann ermittelten Nachfolger übergeben. Zu den Besonderheiten der "Rheindorfer Spätkirmes" gehören die günstigen Getränkepreise, die auch diesmal mit jeweils nur einem Euro für Bier und nichtalkoholische Erfrischungen pro Glas angesetzt sind. Und trotzdem habe es noch nie Besucher gegeben, die sich nach zu viel preisgünstigem Biergenuss daneben benommen hätten, lobt Albertz.

Natürlich wird auch der Zachäus, wie es in Rheindorf guter Brauch ist, für die Kirmestage aus seinem Schlaf geweckt und anschließend wieder bis zu nächsten Jahr zum Durchschlafen vergraben. "Der Zachäus muss und die Erlaubnis zum Feiern geben. Da machen wir immer ein ganz besonderes Ritual draus", kündigt der Vereinsvorsitzende an.

Johann Fischer (v.l.), Friedrich Meuser und Frank Albertz vom Geselligkeitsverein Rheindorf bereiten die 135-Jahr-Feier mit vor. FOTO: Uwe Miserius

Die Rheindorfer Geselligkeit hat feste Grundsätze: "Nur Männer dürfen bei uns mitmachen. Das war schon immer so", betont der 80-jährige Friedrich Meuser. Er ist seit 1972 mit dabei und seit zwei Jahren eines der beiden Ehrenmitglieder. "Und wir nehmen keinen, der nicht mitarbeitet. Wer die anderen arbeiten lässt, fliegt raus", verdeutlicht Johann Fischer. Der 65-Jährige ist schon 36 Jahre im Verein, der früher mal "Jünglingsverein" und dann "Junggesellenverein" geheißen hat: "Früher flog man raus, wenn man heiratete", berichtet Meuser.

Aus dem Jungmänner-Club, der die Kirmes in Rheindorf ausrichtete, bevor die "Kerle" zum Militär mussten, wurde 1957 der "Geselligkeitsverein Germania 1880 Rheindorf". Damals wie heute haben sich die Männer der Tradition verschrieben und sind stolz darauf, es geschafft zu haben, dass sie jetzt auf dem alten Kirmesplatz in Rheindorf feiern können. Die Namengebung sei von der Geselligkeit durchgesetzt worden, sagt der Vorsitzende nicht ohne Stolz. "Früher haben wir im ehemaligen Jägerhof gefeiert. Seit wir mit dem Zelt selbstständig sind, ist es aufwärtsgegangen", sagt Meuser. Und Albertz berichtet von der gemeinschaftsfördernden Wirkung der Veedels-Party: "Da haben wir ein neues Kleid für alte Tradition gefunden und seither haben wir auch noch mehr Resonanz im Stadtviertel", freut sich Albertz.

Quelle: RP
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