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Leverkusen
Gewalt an Frauen angeprangert

Leverkusen: Gewalt an Frauen angeprangert
Die Demonstranten zogen vom Forum in die Wiesdorfer Fußgängerzone. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Frauenberatungsstellen und soziale Einrichtungen hatten zum UN-Aktionstag zur Demo aufgerufen. Von Tobias Falke

"Wir brechen das Schweigen" lautet das ausdrucksvolle Motto, unter dem sich zahlreiche Beratungsstellen und soziale Einrichtungen Leverkusens versammeln und vom Forum über die Rialtobrücke bis hin zum Rathausplatz ziehen. Sie wollen die Bürger zum Thema "Gewalt an Frauen" sensibilisieren. "Leider schauen immer noch zu viele Menschen weg", erklärt Sabine Rusch-Witthohn vom Frauenbüro der Stadt Leverkusen.

Mit der Aktion, die die Initiative des "Runden Tisches gegen Gewalt an Frauen Leverkusen" zum internationale Aktionstag gegen Gewalt an Frauen organisiert hat, soll sich das ändern. Denn erschreckend seien immer noch die Fakten. Jede dritte Frau habe in Deutschland seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren. In der Partnerschaft sei es jede vierte Frau. Doch 67 Prozent meldeten die schwerwiegendsten Gewaltvorfälle innerhalb einer Partnerschaft nicht der Polizei oder einer anderen Organisation, sagt Rusch-Witthohn.

In Leverkusen seien 410 Frauen in der Beratung, 129 von ihnen direkt von häuslicher Gewalt betroffen. Die Tatsache, dass 2016 rund 20 Prozent mehr Beratungskontakte in der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt in Leverkusen stattfanden, zeige, dass dieses Thema immer präsenter werde.

"Viele Frauen brauchen mehrere Anläufe, bis sie offen darüber reden können", weiß die Frauenbüro-Mitarbeiterin. Frauen und Mädchen würden es erst im sechsten oder siebten Anlauf schaffen, ein Beratungs- oder Unterstützungsangebot anzunehmen oder beispielsweise das Frauenhaus besuchen.

Meist würden die Beratungsstellen zunächst von Freunden, Familienangehörigen oder Nachbarn informiert. Aber auch da würden immer noch zu wenige Menschen sich einbringen. Deshalb wolle man mit der Aktion nicht nur Betroffene ansprechen, sondern wirklich jeden Bürger. Es gäbe zahlreiche Aktionen, um sich einzubringen.

Deshalb war schnell klar, dass die Initiative, in der unter anderem Pro Familia, der Kinderschutzbund, die Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (Awo) oder der Frauennotruf Leverkusen beteiligt sind, sich intensiv mit dem Thema Sensibilisierung auseinandersetzte. Rund 40 Personen beteiligten sich an der Demo, die zusätzlich von zehn Trommlern der Sambagruppe aus der Musikschule unterstützt wurde. Auf eine Kundgebung vor dem Rathaus wurde jedoch verzichtet - zum einen, weil das Megafon nicht funktionierte, zum anderen, weil Oberbürgermeister Uwe Richrath, der eigentlich hatte kommen wollen, sich zu dem Zeitpunkt im Umweltausschuss mit dem Thema Autobahnausbau beschäftigte. Die Trommler sorgten jedoch dafür, dass die Demonstranten Beachtung fanden.

Informationen im Internet: leverkusen.de/leben-in-lev/frauen

Quelle: RP
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