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Leverkusen
Gewalt gegen Frauen: "ein großes Problem"

Leverkusen: Gewalt gegen Frauen: "ein großes Problem"
Faustrecht?: Frauen brauchen bis zu sieben Anläufe, um bei gewalttätigen Partnern die Polizei zu rufen und Hilfe in Anspruch zu nehmen, berichtet der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt in Leverkusen. FOTO: dpa (Archiv)
Leverkusen. Frauen aller Schichten und Altersklassen seien betroffen, sagt die Leiterin des Frauenbüros, Sabine Rusch-Witthohn. Am Montag hatte ein Leverkusener (28) seine Ex-Freundin (29) in Wiesdorf mit Lauge verätzt und schwer verletzt. Von Susanne Genath

Rund 26.500 Strafanzeigen wegen häuslicher Gewalt wurden im vergangenen Jahr in NRW erstattet. "In Leverkusen hatten wir in den vergangenen Jahren jeweils um die 500 Fälle", berichtet Sabine Rusch-Witthohn, die Leiterin des städtischen Frauenbüros. Wobei die offiziellen Zahlen wenig aussagten. "Die Dunkelziffer ist hoch. Es heißt, Frauen bräuchten bis zu sieben Anläufe, bis sie bei gewalttätigen Partnern die Polizei rufen und um Wegweisung des Täters bitten."

Am Montagabend hatte ein 28-jähriger Leverkusener seine 29-jährige Ex-Freundin - beides Deutsche - in Wiesdorf mit einer ätzenden Lauge überschüttet und schwer verletzt. Der Mann wurde verhaftet. Die Frau hatte ihn zuvor zwei Mal bei der Polizei angezeigt, einmal hatte er sie überfallen, einmal war er bei ihr eingebrochen.

"Angriffe mit Flüssigkeiten sind uns aus Leverkusen bislang nicht bekannt", sagt Rusch-Witthohn. Sie seien eine ganz schlimme Form von Gewalt. "Von Frauen aus Indien wissen wir, dass solche Angriffe wahnsinnige Auswirkungen haben, ein Leben lang." Grundsätzlich sei Gewalt gegenüber Frauen ein großes Problem, auch in Leverkusen, das stelle man regelmäßig beim Runden Tisch gegen häusliche Gewalt fest. "Studien zufolge wird jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von psychischer oder physischer Gewalt", berichtet die Frauenbüro-Leiterin. In der Gesellschaft werde dies aber hingenommen. "Oft heißt es sogar: ,Die war ja frech zu ihrem Mann und hat es verdient.'" Der Runde Tisch rufe daher zu mehr Zivilcourage auf. "Dazu gehört es hinzugucken und, wenn nötig, auch selbst einmal die Polizei zu rufen."

Gewalttätigen Männern ausgesetzt seien Frauen aller Schichten und Altersklassen. "Der Großteil ist etwa 35 bis 42 Jahre alt und nicht oder nur in geringem Maße berufstätig", berichtet Rusch-Witthohn. Die Frauen würden häufig den Terror hinnehmen und nichts unternehmen, weil sie glaubten, dass die Kinder dann nichts mitbekämen. "Das ist aber nicht der Fall. Kinder bekommen das sehr wohl mit und entwickeln eigene Schutzmechanismen für die Mütter", sagt die Frauenbüro-Leiterin. "Außerdem haben diese Kinder ein höheres Risiko als andere, als Erwachsene selbst Opfer oder Täter zu werden." Die Polizei darf gewalttätige Partner bei häuslicher Gewalt für zehn Tage der Wohnung verweisen. "Die Frauen können sich in dieser Zeit beraten lassen und ohne Beeinflussung des Mannes überlegen: ,Was will ich eigentlich?'", erklärt Polizeisprecher Dirk Weber. Bei Bedarf lasse sich der Wohnungsverweis auf ein halbes Jahr verlängern.

Wenn entsprechende Gründe vorliegen, könne das Amtsgericht zudem ein Annäherungsverbot aussprechen. "Der Richter legt dann einen Regelsatz für Verstöße fest, der bis zu 250.000 Euro betragen kann", sagt Weber.

Die Ermittlungen bei dem Angriff vom Montagabend dauern an.

Quelle: RP
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