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Leverkusen
Griechen in Leverkusen: nah am Schicksal der Landsleute

Griechen in Leverkusen: nah am Schicksal der Landsleute
Kiriakos Georgoglu vor seinem Lebensmittelgeschäft in der Birkenbergstraße. FOTO: uwe Miserius
Leverkusen. Kiriakos und Maria Georgoglu betreiben das Lebensmittelgeschäft "Der Grieche". Täglich werden sie auf die Krise in ihrer Heimat angesprochen. Sie sorgen sich um ihre Familien und zeigen Verständnis für das Votum ihrer Landsleute. Von Patrick Scherer

Kiriakos Georgoglu nippt erst am Wasserglas und nimmt dann einen Zug von seiner Zigarette, ehe er antwortet. "Zuerst sind wir als Griechen schuld", sagt er. "Danach erst ist die EU schuld." Der 56-Jährige macht im Café "Akropolis" Mittagspause, wenige Meter von seinem Lebensmittelgeschäft "Der Grieche" in der Birkenbergstraße in Opladen entfernt - aber weit weg von jeglicher Politik und noch weiter weg von seinem Heimatland.

Georgoglu nimmt noch einen Zug und erhebt dann leicht seine Stimme: "Ich möchte aber gar nicht wissen, wer schuld ist. Ich möchte nur wissen, was passieren muss, dass es den Menschen in Griechenland besser geht." Die Ohnmacht gegenüber der zweifelhaften Streitkultur aller beteiligten Staatsmänner regt ihn auf. Er macht sich schlicht Sorgen um seine Landsleute und Verwandten. Es gibt viele Meinungen zur Griechenland-Krise, nur ein Lösungsvorschlag scheint nicht in Sicht. Georgoglu weiß aber eines sicher: Familie und Freunden in seiner Heimat geht es nicht gut.

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In seinem Gemüseladen bedient zur selben Zeit Maria Georgoglu, seine Ehefrau. Sie hat vor zwei Wochen auf der griechischen Insel Kreta ihre Eltern besucht. Ihr 80-jähriger Vater ist an Blasenkrebs erkrankt. Eine Operation war vonnöten. Als sie ihren Vater zur vereinbarten Zeit ins Krankenhaus brachte, waren die Türen geschlossen. "Die Angestellten haben gestreikt", sagt Maria Georgoglu. "Die humanitären Zustände sind eine Katastrophe. Es gibt noch schlimmere Geschichten." Mittlerweile wurde ihr Vater operiert.

Joannis Savidis, Stammkunde bei "Der Grieche", seit 1969 in Deutschland, mischt sich ein: "Was sollen die Leute in unserer Heimat noch durchmachen? Sie verdienen teilweise 290 Euro im Monat. Wie sollen sie leben? Sollen sie den ganzen Monat nur Tomaten essen oder was?" Das griechische "Nein" zum Rettungsprogramm der Gläubiger, das weitere Sparmaßnahmen vorsehen würde, können er und die Georgoglus deshalb nachvollziehen. "Die Nerven sind am Ende, deshalb haben sie so gewählt", sagt Kiriakos Georgoglu, der seit 1971 in Leverkusen lebt und das Geschäft von seinen Eltern übernommen hat.

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"Fahren Sie mal nach Griechenland, nicht zur Urlaubszeit auf Kreta oder Rhodos", sagt er. "Schauen Sie sich Athen, Saloniki oder die Dörfer an. Die Leute arbeiten von morgens bis abends und bekommen dennoch kein Geld rein." Er selbst fliegt am Donnerstag wieder nach Griechenland, macht sich vor Ort ein Bild, wenn er seine Schwester in Serres besucht. "Sie und ihr Mann sind Lehrer am Gymnasium. Ihnen geht es okay, aber nicht gut", erzählt er.

Jeden Tag mache er sich Sorgen, das Thema bestimme seinen Alltag. Auch Maria Georgoglu sagt, dass am gestrigen Morgen von den ersten 20 Kunden sie 15 auf die Krise angesprochen hätten. "Ich rede aber gerne darüber und möchte betonen, dass es keinerlei Feindseligkeit gibt", sagt sie. Auch ihr Mann bekundet: "Die Leverkusener, die uns ansprechen, verstehen unsere Probleme - mittlerweile noch besser als vor einem Jahr." Sie fühlen mit, die Wut richte sich nicht auf die griechischen Bürger, sondern auf die Politiker. "Ich bin kein Politiker, aber dafür sind ja die da, die wir gewählt haben und bezahlen", sagt er.

Alexis Tsipras, Janis Varoufakis, Angela Merkel, Wolfgang Schäuble und all die anderen Namen der involvierten Politiker sind den Georgoglus egal. Die Familie aus Leverkusen verkörpert die menschliche Seite der Krise, ist nah dran an den persönlichen Schicksalen in ihrer Heimat. Deshalb sagt Maria Georgoglu, die nicht an eine schnelle Lösung glaubt: "Ich möchte einfach die Augen schließen, in ein paar Monaten wieder aufmachen - und alles ist gut."

Quelle: RP
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