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Leverkusen
Großes Theater in der Studenten-WG

Leverkusen. Die fleißige, zielstrebige Marie räumt ihr WG-Zimmer für die Promotionsfeier auf, denn hier soll später eine rauschende Party stattfinden. Doch vorher lernen wir den Freundeskreis kennen, der hier Jahre des Studiums und Liebesbeziehungen erlebt hat. Wo man - mitunter heftig emotional - über den Sinn des Lebens und das Erwachsenwerden nachdachte, sexuelle Spielarten ausprobierte und den Schmerz über zurückgewiesene Liebe verwinden musste. Eine Zeit, die definitiv zu Ende geht, wonach es laut Maries krasser Zimmernachbarin Desy nur zwei Alternativen gibt: "Entweder man verbürgerlicht oder man begeht Selbstmord." Von Monika Klein

Das Ensemble des Jungen Theaters Leverkusen (JTL) spielt in der aktuellen Inszenierung kein Stück aus der Gegenwart oder aus dem Studentenleben der 68er. Ferdinand Bruckner schrieb "Krankheit der Jugend" bereits 1926, doch der Stoff scheint nichts von seiner Gültigkeit verloren zu haben. Darauf setzt Steffen Meyn bei seiner Inszenierung. Er gehörte einst zum Ensemble des JTL und studiert nun Regie an der Kölner Kunsthochschule für Medien. Zeitliche Bezüge gibt es nicht wirklich, befremdlich ist nur "Sie" unter den Freunden und, dass die WG ein Dienstmädchen hat. Seltsamerweise fällt kaum auf, dass alles analog ausgetragen wird - ohne Smartphone, Computer und soziale Netzwerke. Man begegnet sich in unterschiedlichen Konstellationen. Und die Zuschauer sitzen als Voyeure mit im Zimmer, wenn sich die verliebte Desy an ihre Mitbewohnerin schmiegt. Oder wenn sich der mittellose Dichter Petrell von Marie trennt. Wenn Freder Dienstmädchen Lucy verführt, zu Diebstahl und Prostitution anstiftet und Alt ("Er ist kein Mann, sondern ein missglücktes Weib") kommentiert.

Diese Produktion ist harte Kost. Aber es ist durchweg packend, dank der sieben Ensemble-Mitglieder, von denen jedes klar seinen Charakter zeichnet. Iman Helen und Valentin Schwerdfeger spielen konsequent die manipulativen Typen Desy und Freder. Milena Ceasto ist die pflichtbewusste aber letztlich überforderte Marie. Glaubwürdig ist Tristan Becker als verträumter Dichter Petrell. Tara Alana Alsleben überzeugt als hörige Lucy und Piro Rempel ist der unbeteiligte Insider Alt. Lillith Brockhaus zeichnet Irene als normale, starke Frau.

Vorstellungen 19., 20., 23., 25., 26. November um 20 Uhr im JTL, Karlstraße 9a.

Quelle: RP
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