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Leverkusen
"Hänsel und Gretel" ist wuchtig, aber gut

Leverkusen: "Hänsel und Gretel" ist wuchtig, aber gut
FOTO: Klaus Lefebvre
Leverkusen. Das Detmolder Landestheater brachte die Märchenoper auf die Forum-Bühne - mit männlicher Hexe und eben der ausdrucksstarken Musik von Engelbert Humperdinck. Von Tobias Falke

Mit der Märchenoper "Hänsel & Gretel" wurde im Forum die vorweihnachtliche Zeit eingeleitet. Das "Stück für die ganze Familie" (Altersempfehlung ab acht Jahren) wurde allerdings meist vom älteren Semester besucht. Die erinnerten sich allerdings an alte Zeiten, denn schließlich ist das Werk des Komponisten Engelbert Humperdinck - beziehungsweise von Adelheid Wette - Tradition. Denn Wette hatte sich am 16. Mai 1890 zum 34. Geburtstag ihres Mannes etwas Besonderes ausgedacht: Ihre Kinder sollten "Hänsel und Gretel" als Märchenspiel aufführen.

Den Text schrieb sie selber, vier einfache Lieder würde ihr Bruder Engelbert Humperdinck beisteuern. Kaum zu glauben, dass eine der bekanntesten Märchenopern in der deutschen Geschichte sich zunächst in Adelheids Taschenkalender zwischen Kochrezepten und Einkaufslisten befand. Jetzt brachte das Landestheater Detmold seine Version auf die große Bühne des Forums. Dabei spielten Lotte Kortenhaus und Katharina Ajyba das Geschwisterpaar, das sich später in der Handlung bekannterweise im Wald verläuft und bei der Hexe landet, die in Wettes Version sogar namentlich benannt ist: Rosine Leckermaul.

Sie wurde herrlich dargestellt von Markus Gruber, der wohl die attraktivste männliche Hexe in der Opern-Welt sein dürfte. Pompös und gleichzeitig fast schon charmant flog er auf seinem Besen, der fast einem motorisierenden Zweirad ähnelte, umher. Herrlich nostalgisch mit einem Drang zum Fetisch. Die Einlage war so gelungen, dass es dafür vom Publikum kurzer Hand Applaus gab.

Generell war das Bühnenbild, das in drei Bildern gehalten wurde, stimmig. Es war schlicht, stimmungsvoll, romantisch und dennoch authentisch. Kindheitserinnerungen standen im Vordergrund - und die Kulisse erinnerte mehr an Illustrationen aus Kinderbüchern aus der Jahrhundertwende.

Generell wurde im Forum vom Detmolder Ensemble und Team viel fürs Auge geboten, das bewies bereits die Hexe eindrücklich. Aber auch das Sandmännchen (gespielt von Simone Krampe) mit seiner im Kostüm eingebauten Sanduhr bestach in seiner Optik.

Der Kraft der Musik war es zu verdanken, dass das Stück in der Ausdruckskraft so stark strahlte. Vielleicht ist diese Märchenoper deshalb auch eher etwas für Erwachsene, denn zu kleine Kinder könnten hier doch ein wenig eingeschüchtert werden. Dem musikalischen Leiter des Ganzen, György Mészáros, gelang es, dem Publikum zu zeigen, dass Engelbert Humperdinck ein Schüler Wagners war, dem er nachzueifern versuchte: wuchtig, ausgewachsen und voller Stimmungen.

Quelle: RP
 
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