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Leverkusen
"Hamburgs Tunnel funktioniert hier nicht"

Leverkusen: "Hamburgs Tunnel funktioniert hier nicht"
Tunnel in Hamburg: Das Niveau der Straße liegt ohnehin schon unterhalb des Geländes und der Bauten drumherum. FOTO: hamburg.de
Leverkusen. Thomas Raithel, Chefplaner von "Straßen.NRW", verweist auf zu große Unterschiede im Vergleich zu Leverkusen. Von Peter Clement

Gemütlich flanierende Familien auf dem Rasen, während einige Meter unter ihnen der Verkehr in Tunnelröhren vor sich hin fließt, und das ganze auch noch für 200 Millionen Euro - was im Hamburger Stadtteil Stellingen zurzeit bereits gebaut wird, bleibt in Leverkusen leider nur ein Wunschtraum.

Denn solch ein Tunnel, wie ihn sich die Küppersteger an der Stelle der jetzigen Stelzenautobahn wünschen und wie ihn Bürgerinitiativen-Sprecher Peter Westmeier mit Verweis auf Hamburg gefordert hat, hätte ganz andere bauliche Voraussetzungen, Dimensionen, aber vor allem Kosten als das Projekt aus der Elbmetropole.

Thomas Raithel, Projektleiter beim Landesbetrieb Straßenbau (Straßen.NRW), machte gestern beim Besuch unserer Redaktion die entscheidenden Knackpunkte deutlich: "In Hamburg liegt das Niveau der Straße ohnehin schon unterhalb des Geländes und der Bauten drumherum", berichtete er. In Leverkusen dagegen müsse für die Fahrbahn das Erdreich ausgehoben werden - was unweigerlich zu Problemen mit Kanälen oder Versorgungsleitungen führen würde. Eine Tunnelvariante, die bei der Machbarkeitsstudie des Landesbetriebes in die engere Wahl gekommen ist, zeigt die Probleme auf:

Mehrere 100.000 Tonnen Baumaterial und Aushub müssen abtransportiert werden. Die Bauzeit beträgt schätzungsweise acht Jahre. Der Tunnel rückt auf zwei Meter an das Lindner-Hotel an der BayArena heran. Die Kosten liegen bei geschätzt 560 Millionen Euro zuzüglich jährliche Betriebskosten in Höhe von 1,4 Millionen für die Tunnelausrüstung. Zum Vergleich: Eine neue Stelzenautobahn hätte schätzungsweise 4,5 Jahre Bauzeit und würde "nur" rund 300 Millionen Euro kosten.

Gleichwohl betonte Raithel gestern ausdrücklich, damit sei noch keine Entscheidung gefallen: "Wir können diesen Tunnel bauen, das geht aus der Machbarkeitsstudie eindeutig hervor", versicherte er. Doch die Entscheidung werde im Bundes- und Landesverkehrsministerium getroffen, nicht vom Landesbetrieb.

Dazu braucht es aber zunächst einmal die komplette Studie: "Wir werden die Endfassung mit den noch ausstehenden umweltfachlichen Bewertungen in der zweiten Jahreshälfte übergeben, danach erst wird in den Ministerien entschieden", sagte der Chefplaner.

Zunächst steht aber erst einmal ein anderer wichtiger Termin an: Voraussichtlich in der letzten Woche vor den Sommerferien in NRW wird die Kölner Bezirksregierung den Erörterungstermin für den Neubau der Rheinbrücke abhalten.

Angesichts von etwa 200 eingegangenen Anregungen und Beschwerden ist es da mit einem einzigen Tag natürlich nicht getan, wie der Projektleiter versichert: "Wir gehen davon aus, dass der Erörterungstermin sich über fünf Tage hinziehen wird."

Parallel dazu wird allerdings schon fleißig an der Feinplanung gearbeitet, denn immerhin sollen unmittelbar nach dem Planfeststellungsbescheid der Bezirksregierung die Bauarbeiten ausgeschrieben werden.

Auch der Baustart noch im kommenden Jahr scheint realistisch, wenn man den Experten des Landesbetriebs glauben mag.

Die Zeit drängt allerdings auch: Seit 2012 attestieren Fachleute der Leverkusener Rheinbrücke einen "kritischen Bauwerkzustand": Mit Rissen in der Tragwerkskonstruktion waren erstmalig Schäden festgestellt worden, die kurzfristig dazu führen können, dass Stand- und Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben sind.

Ein Neubau ist deshalb laut Gutachten unerlässlich. Der erste Teil der Gesamtkonstruktion soll laut den existierenden Planungen bereits ab dem Jahr 2020 befahrbar sein.

Quelle: RP
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