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Leverkusen
Der Hausarzt mit einem Tresorraum unterm Wartezimmer

Hausarzt aus Leverkusen hat Tresor-Raum unterm Wartezimmer
Eckhard Rau am Eingang zum Tresorraum. Die Tür wiegt zweieinhalb Tonnen. Im Hintergrund seine Ehefrau Erika und Hendrik Hertgens, Projektleiter der Essener Baufirma Brinkmann, die den Umbau von der Bank zur Praxis realisiert hat. FOTO: pec
Leverkusen. Der Leverkusener Eckhard Rau ist vermutlich der einzige Hausarzt in Deutschland, der über einen eigenen Tresorraum mit Hunderten von Schließfächern im Keller verfügt. Die Praxis wäre damit eine perfekte Krimi-Kulisse. Von Peter Clement

Der Mann ist kein Arzt wie jeder andere: Jeden Morgen um 5 Uhr macht sich Eckhard Rau auf den zehn Kilometer langen Weg von seinem Wohnhaus zu seiner Praxis im Leverkusener Stadtteil Alkenrath - zu Fuß. Patienten, die sein Sprechzimmer betreten, müssen zunächst an einer gewaltigen normannischen Streitaxt vorbei. Aus den Lautsprechern hinter seinem Schreibtisch klingt leise Musik von Country-Legende Johnny Cash. Und wer seine Tabletten nicht regelmäßig nimmt oder sich nicht an andere Absprachen hält, bekommt ein "Arzt-Knöllchen" mit nach Hause, das ihn schriftlich ermahnt und erinnert.

"Den Tresor haben wir sozusagen geerbt"

Es gibt jedoch ein Detail, das den Allgemeinmediziner endgültig bundesweit einzigartig macht: Rau ist vermutlich der einzige Hausarzt Deutschlands, der über einen eigenen Tresorraum mit hunderten von Schließfächern im Keller verfügt. In den Praxisräumen am Graf-Galen-Platz verstand man bis vor wenigen Monaten unter dem Begriff "Überweisung" nämlich noch etwas ganz anderes. "Hier hatte die Sparkasse Leverkusen fast 25 Jahre lang eine Kundenfiliale", berichtet Rau. 2017 wurde sie geschlossen. "Den Tresor haben wir sozusagen geerbt, als wir die Räume angemietet haben", sagt der Mediziner. Denn ein Umbau wäre weder technisch noch finanziell vertretbar gewesen.

Schon die massive Tresortür, die an Dagobert Ducks Geldspeicher in Entenhausen erinnert, wiegt zweieinhalb Tonnen. Raus Ehefrau Erika besitzt die Schlüsselgewalt über sie und die Wertfächer - allein der Schlüsselkasten hat die Ausmaße einer Wohnzimmerkommode. "Natürlich wurden alle Fächer vor der Übergabe geleert", sagt Erika Rau. "Als Kulisse für einen TV-Krimi wäre der Raum aber gut geeignet", findet sie. Der Vorschlag ist keineswegs abwegig: Leverkusen ist als Drehort für TV-Produktionen gut gebucht, von "Pastewka" über den Kölner "Tatort" bis zu "Bettys Diagnose".

Wartezimmermobiliar aus Bankfiliale übernommen

Im Stockwerk über dem Tresor stellt das Ehepaar Rau seine Diagnosen. Mehr als 2000 Patienten pro Monat werden auf 350 Quadratmetern betreut - die neue Praxis umfasst Untersuchungs- und Behandlungszimmer, ein Labor, zwei Wartebereiche und einen Raum für Pilates. Die Erinnerung an alte Sparkassenzeiten ist trotz der modernen Optik überall präsent: So besteht das Wartezimmermobiliar aus roten Polsterstühlen, die aus der Filiale übernommen wurden. Und auch der Empfangstresen der Banker wurde zwar mit Marmor veredelt, aber ansonsten kaum verändert.

"Der ist ideal auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten", sagt Eckhard Rau. Glücklicher Zufall: Der Schreiner der Essener Bauunternehmung Brinkmann, die aus der großen Schalterhalle mehrere Räume mit verschiedenen Trockenbauelementen konstruierte, hatte die wuchtige Theke vor einem Vierteljahrhundert bereits mit aufgebaut. "Er war für den Umbau also besonders geeignet und konnte zugleich eine Zeitreise in seine berufliche Vergangenheit machen", sagt Hendrik Hertgens, Projektleiter der Firma, die als Generalunternehmen für den Innenausbau alle Gewerke übernommen und koordiniert hat. "Wir haben im Laufe unserer 50-jährigen Unternehmensgeschichte eine Vielzahl an Praxis-Neu- und -Umbauten betreut", betont Hertgens, "aber die Umwandlung von einer Bank in eine Arztpraxis war auch für uns eine Premiere."

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Die ist gelungen, wie nicht nur das Personal, sondern auch die Patientenschaft meint. Und auch Eckhard Rau ist voll des Lobes über Hertgens und sein Team. Das will etwas heißen, denn der Leverkusener blickt Bauarbeitern eigentlich besonders kritisch auf die Finger. Die Bezeichnung "Praktischer Arzt" ist bei ihm nämlich durchaus wörtlich zu verstehen: "Bevor ich Medizin studierte", sagt Rau und schmunzelt, "habe ich eine Maurerlehre absolviert."

Quelle: RP
 
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