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Leverkusen
Hausputz an den Bahnhöfen

Leverkusen. Während in Düsseldorf NRW-Verkehrsminister Lutz Linienkämper werbewirksam Graffitis entfernte, hatten die Putzkolonnen in Leverkusen längst ganze Arbeit geleistet: Sauber wie lange nicht präsentierten sich die S-Bahnhöfe. Von Detlev Hüwel und Ulrich Schütz

Leverkusen/Düsseldorf Mit einem Sofortprogramm in Höhe von zwei Millionen Euro wollen das Land und die Deutsche Bahn gegen Graffiti-Schmierereien vorgehen. Wie NRW-Verkehrsminister Lutz Lienenkämper gestern mitteilte, sollen landesweit 110 verschandelte Bahnhöfe und Haltepunkte optisch aufgewertet werden. Sie seien das "Eingangstor zur Bahn" und sollten einen guten Eindruck hinterlassen, sagte der Minister. Verschmierte Bahnhöfe wirkten dagegen verwahrlost und verursachten Ängste.

Die (S-)Bahnhöfe Leverkusen-Mitte, Küppersteg und Rheindorf glänzten allerdings gestern schon in reinem Grau. Saubere Zugänge und geruchsfreie Tunnel, dass gab es seit Jahren so nicht mehr. Auch in Leichlingen war offenbar am Bahnhof eine Putzgruppe aktiv.

"Mit unserer Aktion wollen wir für die Fahrgäste eine angenehme Atmosphäre schaffen", sagte CDU-Politiker Lienenkämper bei seiner Aktion. Er zog gestern an einer S-Bahn-Haltestelle in Düsseldorf Schutzhandschuhe an und demonstrierte mit Besen und Hochdruckreiniger, wie solche Verunzierungen nahezu mühelos entfernt werden können.

Das Geheimnis: Die Betonwände, die offenbar magisch Sprühdosen-Attacken auf sich lenken, wurden mit einer speziellen Farbgrundierung überzogen, von der sich Sprühfarben weitaus leichter als bisher entfernen lassen.

Es fehlt noch ein Hauch Parfüm

Ganz so einfach gestaltet sich die Reinigung in Leverkusener Bahnstationen denn doch nicht. Die Fußgänger-Unterführung in Bürrig ist zwar einigermaßen sauber, aber aufgesprühte Herzchen und "Ich liebe Dich" oder böse Fußballfansprüche sind weiter lesbar.

Erstaunlich dagegen der Zustand des "Hauptbahnhofes" in Leverkusen-Mitte. Die gelben Kacheln der Unterführung waren gestern fast klinisch rein. Es stank überhaupt nicht nach Urin wie früher. Fast konnte man annehmen, gleich kommt ein Bahnmitarbeiter und sprüht noch ein wenig Parfüm in die Luft. "Die Bahn hält das hier wirklich gut in Schuss. Die kommen oft mit Hochdruckreinigern und säubern", lobte Reinhard Gerlich. Der passionierte Bahnfahrer kann dies gut beurteilen: Er pendelt per Bahn täglich zwischen Ratingen und Leverkusen. Auch als Chef der Technischen Betriebe Leverkusen (TBL) kennt er das Graffiti-Problem. Täglich müssen TBL-Teams die Fußgängerunterführung am Bahnhof Opladen säubern. Das Entfernen von Farbschmierereien übernimmt die TBL hier nur, wenn es mal wieder ganz wüst aussieht. "Eigentlich ist das Aufgabe der Bahn", sagt Gerlich. Bald soll es aber optisch schöner werden. Die städtische Bahnstadt-Gesellschaft will den Tunnel verschönen lassen.

28 000 Graffiti-Anzeigen

Farbschmierereien seien kein Kavaliersdelikt, betonte auch Lienenkämper. Seit 2005 werden sie in NRW als Sachbeschädigung bestraft. Seither sei ein rasanter Anstieg an Anzeigen zu verzeichnen, heiß es aus dem NRW-Innenministerium auf Anfrage unserer Zeitung.

Allein 2009 wurden landesweit 28 000 Fälle von Graffiti-Schmierereien registriert. Der Anteil der Graffiti an den Sachbeschädigungs-Delikten liegt bei 16 Prozent. Wer erwischt wird, muss damit rechnen, die Kosten für die Reinigung der beschmierten Flächen zu übernehmen, die leicht mehrere Tausend Euro betragen können. Nur jeder fünfte Sprüher wird erwischt. "Wir setzen auf die örtlichen Ordnungspartnerschaften", hieß es aus dem Innenministerium.

Quelle: RP
 
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