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Leverkusen
Helfer zeigen Schülern Umgang mit Leichensack

Leverkusen: Helfer zeigen Schülern Umgang mit Leichensack
Mit Fotos wie diesem sensibilisierte die Polizei gestern die Schüler für die Risiken im Straßenverkehr. Denn jeder fünfte Unfall wird von einem Fahranfänger verursacht. FOTO: Schule
Leverkusen. Bei "Crash Kurs NRW" klärten Unfallhelfer 550 Schüler des Landrat-Lucas-Gymnasiums über Risiken im Straßenverkehr auf. Von Hannah Nitsche

Eine junge Beamtin holt tief Luft, bevor sie die Klingel eines Einfamilienhauses drückt. In Begleitung ist Seelsorger Bernd Flemming. Der spürt ihre Nervosität. "Was verschafft uns die Ehre, wir haben doch nichts verbrochen?", sagt die Bewohnerin und lächelt den beiden entgegen, während sie noch im Türrahmen steht. Nur wenige Augenblicke später: Geschrei, Schluchzen und Zittern. "Er war ein so guter Junge, er hatte noch so viel vor. Das verfluchte Motorrad", wimmert die Frau unter Tränen. Soeben hat sie erfahren, dass ihr Sohn bei einem Unfall gestorben ist. Ihr Mann sitzt rührungslos im Sessel.

Wie unvernünftig leichtsinnige Fahraktionen sind, darauf kommt der 66-jährige Seelsorger in dem Moment nicht zu sprechen. Situationen wie diese nehmen ihn mit. Wenn er noch Sätze wie "An Himmel und Paradies glaube ich nicht, aber mein Sohn war für mich das ewige Leben" hört, bekommt er Gänsehaut. Flemming Worte richteten sich gestern an die Schüler der Q1 und Q2 des Landrat-Lucas-Gymnasiums. Grund dafür war der Crash-Kurs NRW - eine Veranstaltung, die Schüler über Folgen von Verkehrsunfällen aufklärt. Organisiert wird sie von der Polizei in Nordrhein-Westfalen. Denn 20 Prozent der Verkehrsunfälle verursachen Fahranfänger - die Problemgruppe in der Unfallstatistik.

Während in Fernsehfilmen zumeist nur Kranken- und Polizeiwagen zu sehen seien, die Unfallleiche mit einem Leichentuch abgedeckt werde und sich der Zuschauer vor dem Bildschirm den Rest dazu denken müsse, würden die Beamten in der Unfall-Realität mit weit mehr grausigen Details konfrontiert, berichtete Natalie Kohn. Die Polizistin warnte, dass auch Bekannte, Familie oder Freunde Opfer sein könnten. "Ich mache meinen Job gerne, dennoch hat er seinen Beigeschmack", fügte Kohn hinzu. Ingo Heinrich von der Berufsfeuerwehr Köln breitete zeitgleich einen Leichensack auf der Bühne auf, um zu demonstrieren, wie das aussieht, wenn die Leiche verhüllt wird.

Doch besonders still wurde es, als eine Mutter von dem Schicksal ihrer beiden Töchter erzählte. Eines Morgens erhielt sie eine SMS von ihrem Mann, in der stand: "Ruf mich an, unsere Töchter hatten einen Verkehrsunfall." Das Leben änderte sich schlagartig. Zwölf Operationen musste ihre jüngste Tochter Catrin durchstehen. Anderthalb Jahre lag die damals 14-Jährige im Koma, anschließend folgte eine lange Aufwachphase. Sie lernte erneut zu sprechen, zu gehen und zu essen. Der Grund: Ihre ältere Tochter Meike verlor die Kontrolle über das Auto, als ihr ein Reh vor die Motorhaube sprang. Das Auto knallte mit der hinteren rechten Seite gegen einen Baum, dort saß Catrin.

Das alles sollte nicht der Abschreckung dienen, sondern allein der Aufklärung. Fahranfänger müssten mit Risiken, die auftreten können, konfrontiert werden, um keine übermütigen Entscheidungen zu treffen. Die Polizisten appellierten am Ende der Vorstellung: Fahrt nicht bei Rot und nicht zu schnell, Finger weg von Alkohol, Drogen sowie vom Smartphone bei der Fahrt.

Quelle: RP
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