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Leverkusen
Hochdruck-Gaspipeline an Schule löst eine neue Protestwelle aus

Leverkusen. Je näher die Entscheidung des Stadtrats rückt, desto mehr Menschen melden sich, um die umstrittene Hochdruck-Erdgasleitung von Hitdorf durch die Waldsiedlung doch noch zu verhindern. Von Peter Clement/dora

Die Entscheidung über eine Rücknahme der Klage gegen die Pipeline fällt in der Ratssitzung am 26. September. Der Betreiber der Gasleitung - die Firma Open Grid Europe - hat bereits angekündigt, "nach jetzigem Stand der Dinge werden die Bagger vermutlich 2019 anrollen".

Gleichwohl schließen sich immer mehr Menschen dem Protest an, zu dem die CDU-Politiker Bernhard Marewski und Georg Wollenhaupt aus der Waldsiedlung aufgerufen haben. Besonders bewegend ist ein Schreiben, das ein Familienvaterjetzt im Internet an Open Grid gerichtet hat. Darin stellt er etwa die Frage: "Warum muss Ihre neue Erdgashochdruckleitung keine 30m an der Grundschule meiner Kinder vorbei geführt werden, obwohl ein größerer Abstand mit überschaubarem Mehraufwand möglich wäre? Wie hoch wäre das Todesrisiko für meine Kinder während des Schulunterrichts bei einer ähnlichen Gashochdruckleitungsexplosion wie im Oktober 2014 in Ludwigshafen in 30 Metern Entfernung?" Damals war ein Arbeiter getötet worden, ein anderer wurde so schwer verletzt, dass er später starb. 22 Menschen erlitten Verletzungen. Der Explosionsort sah aus wie ein Schlachtfeld. Der Sachschaden wurde auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt.

Open Grid antwortete auf die Fragen, eine Verlegung der Trasse 300 Meter weg von der Schule bedeute einen höhere "Eingriff in Natur- und Landschaft". So werde insbesondere in die davon betroffenen Waldbereiche stärker eingegriffen, was dem Prinzip der Eingriffsminderung widerspreche, das im Planfeststellungsverfahren zur Anwendung komme. Zur Explosionsgefahr heißt es: "Der Betreiber einer Gashochdruckleitung muss die Sicherheit unabhängig von der Trasse gewährleisten. Dies ergibt sich bereits aus der Forderung der Gashochdruckleitungsverordnung nach der Einhaltung des Standes der Technik in Form der technischen Regeln des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches. Diese Regeln werden strikt eingehalten und sorgen für ein ausgesprochen hohes Sicherheitsniveau." Der Familienvater stellt daraufhin fest, seine Fragen seien von Open Grid damit immer noch nicht beantwortet worden - "aber hey, wenn meine Kinder brennen, habe ich ja immer noch die Natur und die Landschaft..."

In der Sitzung der Bezirksvertretung III beschlossen die Politiker gestern, der Rat solle die Verwaltung beauftragen, bei dem Unternehmen eine Fristverlängerung zu erreichen, damit man bei den entsprechenden Behörden eine Änderung des Planfeststellungsverfahrens erwirken könne und letztlich die Trasse abseits von Schule und Wohnen entstehe. Wolfgang Pockrand (SPD) wetterte in der Sitzung: "Den Gutachter, der sich das angesehen hat, sollte man in den Urwald schicken." Benedikt Vennemann (FDP) monierte: "Die Bezirksregierung handelt menschenverachtend, wenn sie die Natur über den Menschen stellt."

Quelle: RP
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